Samstag, 29. April 2017

Über eingeschränkte Binnenmobilität

Ich glaubte daran, dass es eine Besonderheit sei, dass viele Saarländer nie aus dem Saarland weg gehen. Sie sind bereit, nach Gerlfangen oder Nohfelden umzuziehen, aber keine drei Meter über die Grenze. Das kann man unter Lokalkolorit verbuchen, weil das Saarland eine Entität ist, die man an einem Tag mit dem Fahrrad umrunden kann (wenn man schnell ist). Oder?

Inzwischen sind mir so viele Menschen begegnet, gerade Akademiker, die kein Problem damit haben, in weit entfernte Städte umzuziehen, aber nie die jeweiligen Grenzen ihres Bundeslandes überschritten haben, dass ich nicht mehr an Zufall glaube. Daher wage ich einen Erklärungsversuch.

Wenn Menschen in ein anderes Bundesland auswandern, wissen sie nicht, was ihre Kinder an den Schulen erwarten wird, sie selbst bei der Schulwahl für ihre Kinder und wie sich die Polizei ihnen gegenüber verhalten wird. Ob man in Kneipen rauchen darf und wie lange Geschäfte geöffnet haben dürfen, kann man noch relativ leicht recherchieren. Ob man sich daran gewöhnen kann, nicht.

Es wird immer gesagt, die Bundesländer seien nach dem Krieg künstlich errichtet worden, von daher gebe es keine landsmannschaftliche Identität. Es scheint so zu sein, dass sich diese Identität aber seitdem gebildet hat. Durch die Teilautonomie unterscheiden sich die Bundesländer inzwischen so stark voneinander, dass es eine natürliche Hemmschwelle zu geben scheint, die unentschlossene mobile Menschen in ihrem Heimatland hält.

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