Montag, 27. Juni 2016

Das Real-Life-Schreibabenteuer oder Jens van der Kreets wundersame Reise mit der Deutschen Bahn durch das Rheinland

Dies ist eine Geschichte, die beweist, dass man, um Abenteuer zu erleben, nicht unbedingt ins Ausland fahren muss. Abenteuer kann man auch in Deutschland erleben. Die Voraussetzung ist, dass man mit der Bahn fährt. Dann sind Überraschungen garantiert. Ich erlebte eine solches Abenteuer, ein Schreibabenteuer gewissermaßen. Doch dazu später mehr.

Der Reihe nach: Der 25. Juni 2016 begann mit einem lauten Schrillen, von dem ich nichts hören wollte: Der Wecker. Müde quälte ich mich aus dem Bett, doch ich wusste, es würde sich lohnen. Denn ich wollte unbedingt um 13 Uhr beim Schreibnacht Treffen im Café Goldmund in Köln sein. Bei der Schreibnacht handelt es sich um eine Gruppe junger ambitionierter Schriftsteller, die sich gegenseitig motivieren und unterstützen.

Ich ließ meine Jacke zuhause. Das Wetter war ganz nett, dachte ich und viel muss ich auch nicht laufen, es wird ja nicht gleich dann regnen, wenn ich vom S-Bahnhof Ehrenfeld zum Café Goldmund, das nur wenige Schritte vom S-Bahnhof entfernt liegt, laufen muss. So humpelte ich los (ich hatte mir den Fuß angeschlagen).

Ich erwarb ein Wochenendticket für 18 Euro (22 Euro waren als Entschädigung für die letzte Verspätung als Rabatt mit drin) und fuhr nach Köln-Ehrenfeld. Alle Züge waren pünktlich. Als ich ausstieg, regnete es nicht nur in Strömen, sondern ich hatte auch noch den falschen Ausgang genommen. So dauerte das Ankommen im Café 15 Minuten, die ich durch den prasselnden Regen humpelnd hinter mich brachte.

Die fünf Stunden, die ich mit meinen Kolleginnen verbrachten, waren wie immer sehr angenehm und inspirierend, ich freute mich, gleich drei Kolleginnen neu kennen zu lernen und zwei erneut treffen zu können. Diesmal haben wir eine Aufgabe zu erledigen gehabt. Wir sollten aus dem Stegreif eine Kurzgeschichte schreiben. Ich liebe solche verzwickten Aufgaben und ich fand’s schön, dass da tatsächlich was Spannendes aus der Feder geflossen ist. Solche gemeinsamen Schreibstunden würde ich gerne viel häufiger erleben.

Um neunzehn Uhr war ich am Hauptbahnhof bereit zur Heimreise, die um diese Zeit eigentlich kein Problem sein sollte. Leider hatte mein Zug 20 Minuten Verspätung. Nichts besonderes. Bahn halt. Ich ging zurück in die Kollonaden und trank noch ein Kölsch. Dann wieder hoch zum Gleis. Aus den 20 Minuten waren 40 geworden. Dann nehme ich halt den nächsten Anschluss in Koblenz, dachte ich mir.

Als die Verspätung auf 70 Minuten angeschwollen war, bekam ich es mit der Panik. Würde ich den letzten Zug von Koblenz nach Saarbrücken erwischen können? Ich ging zur Information und beschwerte mich. Ich wollte, dass mir die Bahn in Köln eine Unterkunft bezahlt. Die Dame an der Information beschwor mich, den bald eintreffenden Zug, dessen Verspätung nun 80 Minuten betrug zu nehmen, da ich den letzten Anschlusszug nach Saarbrücken definitiv bekommen würde.
Der Zug nach Saarbrücken fuhr pünktlich. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich am Bahnhof von Andernach. In Koblenz erneut zur Information.
„Sie kriegen einen Taxigutschein ab Trier!“
„Ich will ein Hotelzimmer“, entgegnete ich. Ich hatte so ein Gefühl.

Letzten Endes saß die Frau an der Theke am längeren Hebel. Nachdem ich mich mit einem letzten Bier gestärkt hatte, saß ich im Regionalexpress nach Trier. In Trier angekommen, liefen mir ohne Ende alkoholisierte Menschen am Bahnhof über den Weg. Was geht hier ab? denke ich. Auf dem Bahnhofsvorplatz sehe ich jede Menge Menschen, Autos, Busse.

Taxis? Fehlanzeige.

Zwei arrogante Tussis mit hochhackigen Schuhen, die in meinem Zug neben mir saßen, standen da und warteten. Ein großmäuliger Schaffner wollte für sie heldenhaft ein Taxi ergattern. Es war bloß keines da.
„Ist hier heute eine besondere Veranstaltung?“ sagte ich.
„Stadtfest!“
Und ich nur so: „Oh je!“

Irgendwann gelang es dem Superhelden von Schaffner, ein herbeikommendes Taxi aus den gierigen Klauen zweier Passanten zu entwenden. Wir stiegen alle ein. Die Mädchen, die sich beharrlich weigerten, mich zu duzen, obwohl ich später für die Überfahrt in die Altstadt zahlte (Hallo Nice Guy!) stiegen an einer Disko aus. Ich verließ das Taxi am Viehmarkt. Auf meine Frage, ob es einen Taxifahrer gäbe, der mich nach Saarbrücken bringt, meinte die Fahrerin „Auf gar keinen Fall. Heute geht hier gar nix.“

Wenn dir das Leben Wodka gibt, mach Bowle daraus, denke ich, irgendeinen Grund musste es geben, weshalb mich das Schicksal heute Nacht ausgerechnet auf das Trierer Stadtfest geführt hat. Ich fand mich also am Bowle-Stand wieder und begann, mich zu betrinken.

Nach und nach sah ich, dass um mich herum lauter Alkoholisierte waren, mit Ausnahme der zahlreichen hübschen jungen Damen, die ich anquatschte und die alle nüchtern genug waren, sich schnellstmöglich von mir wegzudrehen. Ich lernte die Trierer Getränkekultur kennen. Das Bier ist das widerlichste, was es in Deutschland gibt, aber dafür gibt es eine vielfältige Wein- und Apfelweinkultur.

Dieser floss dann auch schön. Irgendwann kippte der Mann am Weintresen um, fiel gegen mein kaputtes Bein und rutschte zur Erde. Ich ließ ihn liegen. Ich wusste, fünf Minuten Schlaf und der Mann ist wieder fit. Andere Passanten wollten den Krankenwagen rufen, doch ich behielt recht.

Gerüchten zufolge gab es irgendwo einen Taxistand. Gegen 3.30 Uhr machte ich mich auf, um ihn zu suchen. Ein Taxifahrer kam mir entgegen, doch zwei andere Passanten waren schneller. Ich fragte den Fahrer nach einem Taxistand. Was er geantwortet hatte, wusste ich nicht mehr. Ich habe dann vor einem vielfrequentierten Lokal einen weiteren Fahrer nach der Nummer des Taxidienstes gefragt und mir noch ein Altbier gegönnt.

Ich werde die Nummer nie vergessen: 0651-48048. Der Taxiruf-Mitarbeiter sagte, wenn ich einen Gutschein von der Bahn hätte, hätte ich einen Anspruch. Er teilte mir die Nummer des Wagens mit, der mich nach Saarbrücken bringen würde. Das Taxi kam 5 Minuten später. Es war der Fahrer des ersten Taxis, der mir eine halbe Stunde vorher begegnet war, Sigi.

Munter plaudernd fuhren wir in meine Stadt. Um 5.30 Uhr stieg ich aus. Für die Fahrt, die 165 Euro gekostet hatte, habe ich drei Euro bezahlt: ein Sechstel des Wochenendtickets. Den Rest zahlte die Bahn als Strafe für ihre Verspätung. Die Zigaretten vergaß ich im Auto.

In Uhl’s Eck war noch Party. Ich kaufte mir ein letztes Bier und ging nach Hause.

Das Schreibabenteuer war zu Ende. Aber vergessen werde ich es so schnell nicht.

Kommentare:

  1. Oh Gott, da hast du ja was erlebt XD

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  2. Sehr toll und sogar noch in meinem Bundesland. Das mit dem Wein stimmt natürlich :-)
    Tolle Geschichte und ja Du machst das wie ich es auch mache. Wenn man merkt "Es geht so nicht" Dann muss man sich treiben lassen und schon öffnen sich Türen. Toller Service von Dir mit dieser Nummer.

    Du bist jetzt in meinem Feed, ich fand Dich bei den Kommentaren bei itstartedwithafight.

    Gruß Rollinger

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