Donnerstag, 18. Dezember 2014

Respekt!

Ich bin am Dienstag mit dem Rad durch Berlin gefahren. Nach Einbruch der Dunkelheit (so kurz vor dem Nordpol ist es momentan bereits um 16 Uhr soweit) bin ich den Weg von Rathaus Pankow nach Wedding-Nettelbeckplatz gefahren. Auf Höhe des Klosters in Pankow wurde ich fast von einem SUV (Geländeauto) umgemäht, der auf dem Bürgersteig parkte und herausfahren wollte. In Wedding wurde ich beim Versuch, abzubiegen, von einem Auto geschnitten und angehupt, im darauffolgenden Streckenabschnitt war der Radstreifen komplett zugeparkt. Was nicht nur mir, sondern auch den auf dem Fußgängerweg parkenden Autofahrern gegenüber unfair war. Brennende Zigaretten, die mir entgegengeschleudert wurden, signalisierten mir meine Erwünschtheit im Straßenverkehr einer deutschen Großstadt. Was fehlt, ist Respekt.

Ein paar hundert Kilometer südlich trafen sich ausgerechnet am Dresdner Hygiene-Museum 15.000 Menschen, um gegen Ausländer und Einwanderung zu demonstrieren. Die ganz normale Schäbigkeit des deutschen Spießertums wird wieder offensiv nach außen getragen. Politiker der beiden konservativsten Regierungsparteien beeilten sich sogleich, den protestierenden Wutbürgern in ihrem Furor zur Seite zu springen und sich ihnen anzubiedern. Dass die Arbeit mit neu ins Land kommenden Flüchtlingen anstrengend ist, ist das eine. Dass die Menschen Angst haben, eine Angst, die man nicht leicht begründen kann, ist das andere. Doch es geht nicht, seine nackte Angst und seine Wut gegen Menschen zu richten, die man nicht einmal kennt. Jeder Mensch besitzt Würde. Auch der Flüchtling. Was fehlt, ist Respekt.

Einige der Menschen, die mit der Unterstützung von Flüchtlingen betraut sind, arbeiten an Orten, die so unbeliebt sind, dass sie wenige qualifizierte Mitarbeiter anziehen. Orte, die als Arbeitsplatz verrufen sind. Die einen sagen, in solch einer menschenfeindlichen Anstalt möchte ich nicht arbeiten, die anderen sagen, mit Schmuddelkindern, wie diesen Flüchtlingen zum Beispiel, möchte ich nichts zu tun haben. Wenn wieder einer derjenigen, die an diesem undankbaren Orte ihren Dienst tun, erstochen wird, dann jubelt die Masse und bekundet Verständnis... für den Täter. Es jubeln die am Lautesten, die am Sichtbarsten gegen Nazis auf die Straße gehen. Für das Opfer hat niemand Verständnis. Hätte er/sie eben einen anständigen Job lernen sollen! Was fehlt, ist Respekt.

Euch allen ein wunderbares Weihnachtsfest, Chanukka, Wintersonnwende... oder wenigstens ein paar schöne, gemütliche Tage in der warmen Stube.


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