Dienstag, 23. Juli 2013

Pariser Spaziergänge

Europa, jetzt komm ich - Das Urlaubstagebuch 2013 - Teil 2 - 20.-21.07.2013

Nachdem ich dem saarländischen Exportbier zum Discountpreis gefrönt hatte, bin ich noch ein wenig durch den Jardin de Plantes geschlendert und habe den Austerlitzer Bahnhof besichtigt.

Auf der Austerlitz-Brücke.
Im Hintergrund Notre Dame.


Hinter diesem herrschaftlichen Tor befindet sich
kein Königshaus, und auch kein neuer Thronfolger,
sondern lediglich der Jardin de Plantes,
der botanische Garten von Paris.


Ich wanderte an der Seine entlang zur Kathedrale Notre Dame, ohne sie zu besichtigen, weil ich bei dieser Hitze ganz bestimmt nicht Schlange stehen werde.

An der Seine entlang wandern macht Spaß.

Die Blumen sind schön. Die Kathedrale auch.


Mann, sind die Röcke kurz dieses Jahr! Jugendliche Mädchen laufen damit herum und ihre Eltern schauen zu. Noch kürzer geht es nicht. Mein Tip: nächstes Jahr weglassen!

Ploetzlich meldet sich mein Bauch: Seit Stunden bin ich zu Fuß unterwegs, durch die sogenannte Stadt der Liebe, auf der Suche nach einem schmackhaften und nicht zu teuren Diner (im Sinne von Abendessen, nicht Ami-Speisesaal).

Wer hat den Franzosen ins Ohr geflüstert, Raclette und Fondue seien etwas "traditionell Französisches"? Vor drei Jahren war es das noch nicht, jetzt kriegst du's in jedem Restaurant nachgeworfen! In Wahrheit ist es wie mit dem Maggi: Jeder glaubt, es gehöre zu seiner eigenen Heimat, dabei stammt es aus der Schweiz. Wer chat's erfunden?

Die Masse an Restaurants auf der anderen Seite der Seine erschlug mich. Die Fußgängerzone ist der Eingang zum Quartier Latin, das sogenannte Lutèce, Altstadt, Keimzelle und gute Stube der Stadt. Entsprechend touristisch überlaufen ist es. Und diese Speisevielfalt: Gyros, Fondue, Raclette, Kebab, Raclette, Fondue, Gyros, Doener... Da weiss man gar nicht, für welchen schmierigen Wirt, der in der Gasse steht mit der Karte in der Hand und sagt: "Kommen Sie rein und nehmen Sie Platz" man sich denn nun entscheiden soll.

Ich hörte auf meine Intuition, blieb erstmal hungrig und machte meinen geplanten Spaziergang durchs Quartier Latin, auf den Spuren von Ernest Hemingway und all den anderen Künstlern und Intellektuellen, die nicht darüber geschrieben haben, dass sie hier all ihre Gedanken geordnet haben, in diesem Viertel, das all die Eliteuniversitaeten beherbergt, die Sorbonne und die Grandes Ecoles.

Ich spazierte über den Boulevard Saint-Michel und am Jardin de Luxembourg und dem Pantheon vorbei. Ich wusste, ich würde mich, was das Essen betraf, auf die rue Mouffetard verlassen können. Günstig und vor allem gleichzeitig gut! Was soll ich sagen? Es hat mich nicht enttäuscht! Drei Gänge (Muscheln, Boeuf Bourgignon, Tarte de Pomme), Kaffee, Bordeaux und Wasser ohne Ende fuer 24 €! Konkrete Adresse auf Anfrage! Als letzte Station genoss ich ein Rockkonzert unter freiem Himmel in der Nähe des Louvre.

Am zweiten Tag war die Hitze echt erdrückend. Viel mehr als in einem Park unter den Bäumen sitzend den Tag verschwenden, schien nicht drin. Ich wählte den Parc Floral an der Endhaltestelle der fahrerlosen U-Bahn-Linie 1, nahe dem Bois de Vincennes. Ein echter Geheimtipp! Im Park erholen sich ausschliesslich Einheimische, keine Touristen sind anwesend. Und jede Menge Kids!

Unter Jazz versteht jeder etwas anderes.
Vieles davon ist blosses Gejaule.
Leider bleibt man in Paris davon auch nicht verschont.

Der Park Floral ähnelt dem Luisenpark in Mannheim und besitzt anders als dieser keine Tiere (die findet man im Jardin des Plantes), sondern jede Menge Abenteuerspielplätze, künstliche Wälder und Seen und das Jazzfestival Paris an diesem schönen Sonntag.


Parc Floral, Paris


Als ich das Schild mit der Aufschrift "Pavillon" las,
dachte ich, huch!, ich bin wieder in Deutschland!
Bei näherem Nachdenken wurde mir klar, dass das Wort
ursprünglich aus dem Französischen kommt
und sich auch überhaupt nicht verändert hat.

Gerade in den Parks wird deutlich, dass Kinder viel selbstverständlicher zum Stadtbild gehören, als wir das gewohnt sind. Wann hat man zuletzt in Deutschland stillende Mütter gesehen? Oder coole Spielplätze? Hier ist es selbstverständlich, dass in einer Gruppe junger Leute, die gemeinsam im Park picknicken, ein Kleinkind dabei ist. Der deutschen Mutter wäre das peinlich.

Auch die Sozialpolitik spiegelt diese Unterschiede wieder. Sie setzt andere Prioritäten. Wer in Deutschland ein Kind alleine erzieht, muss ins Jobcenter. Dafür gibt es hier halt jede Menge Clochards, die nicht zu übersehen sind und deren Flüssigexkremente die gesamte Stadt bei dieser Hitze olfaktorisch verseuchen. Beides ist grausam, aber auf jeweils unterschiedliche Weise.

Den Abend beschloss ich mit einem Spaziergang durch das Marais. Um 22 Uhr wollte ich im Hostel sein, denn um sieben Uhr würde mein Zug nach Barcelona mit einmal Umsteigen losfahren. Daher wuerde ich früh aufstehen und fit sein muessen. Wie anstrengend diese Überfahrt wirklich werden würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht ahnen.

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