Montag, 22. Juli 2013

Europa, jetzt komm ich!

Das Urlaubstagebuch 2013 - Teil 1 - Reise nach Paris - 20.07.2013

Eines sonnigen Sonntags, als mir die Sonne meine Wohnung zu sehr erhitzte und ich den Verkehrslaerm nicht weiter ertrug, beschloss ich, meiner Abneigung gegen das Reisen endgültig adieu/adeú/adios zu sagen und mir ein Interrail-Ticket zu kaufen.

Einst war das Interrail-Ticket das Eingangstor zur neuen Welt des vereinten Europas, das die Jugend bereisen konnte, ohne Schranken. Es geriet eine Zeitlang in Vergessenheit, bis sich herausstellte, dass die Abflugpunkte der Billigflieger schwierig zu erreichen sind und das Benzin permanent teurer wird. Soviel sei vorweggenommen: Interrail ist wieder cool.

Es gibt nur zwei Strecken, in denen die deutsche Bahn ihre Höchstgeschwindigkeit ausfahren kann. Die eine ist die Strecke von Frankfurt am Main oder Wiesbaden nach Köln. Leider haben dort Dorfbürgermeister dafür gesorgt, dass die Deutsche Bahn in ihren Käffern halten muss, und zu diesem Zwecke muss sie immer rechtzeitig bremsen. Anders auf der anderen High-Speed-Strecke, von Nord-Lothringen nach Paris.

Zwar haben auch dort Lokalpolitiker ihre Provinzbahnhöfe durchgesetzt, doch um diese muss sich die Deutsche Bahn nicht scheren, die kann sie ihren französischen Kollegen überlassen. Die Fahrt nach Paris funktioniert nun so: An der Staatsgrenze hält der Zug zweimal, einmal in Saarbruecken, einmal in Forbach (France). Danach zuckelt er eine halbe Stunde durch das nördliche Lothringen. Schliesslich biegt er auf die Rennstrecke ab und erreicht dort mit im Schnitt 330 km/h nach nur einer eineinhalbstündigen Fahrt die französische Hauptstadt.

Und just in dem Moment, als der Zug die Rennpiste besteigt und die ersten Hügel erfolgreich hinter sich gebracht hat, spielt die gelobte Zufallsauswahl des iTunes-Musikprogramms meines iPhones den Titel "Westerland" von den Aerzten - den Urlaubs-Klassiker schlechthin! Nicht das letzte Mal, dass iTunes so ins Schwarze trifft. Dazu später mehr.

Ihr könnt euch vorstellen, dass der Urlaub damit gerettet war, bevor ueberhaupt die Gefahr bestand, dass es schiefgeht.

Am Pariser Ostbahnhof angekommen, bin ich erstmal stolz wie Oskar, dass ich nach dem Weg fragen und Fahrkarten kaufen kann. Zu demütigend die Erfahrung, die sich sich 2010 in mein Gehirn gebrannt hat: Ich konnte kein Französisch mehr!

Nachdem ich in einem ICE mit kaputter Klimaanlage bis elf Uhr ausgeharrt hatte (Vormittags geht das), habe ich in den zwanzig Minuten Fahrtzeit mit dem Bus vom Ostbahnhof zum Lyoner Bahnhof zu viele Körpergerüche reiferer Damen und Herren eingeatmet, als es gutgetan hätte. Zweiunddreißig Grad.

Anschließend eine schöne lange Pause im Express de Lyon. Oder warum nicht gleich in der "Karlsbräu Taverne"? Das ist ne Nummer: Saarländisches Bier direkt gegenüber dem Gare de Lyon!


... Zum Preis von 8€! Unglaublich. Ob ich bei dem Wetter am Staden sitze oder hier ist egal, aber am Staden würde dies Bier keine 8€ kosten...

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