Montag, 1. Juli 2013

Das jüngste Gericht

Eigentlich nehme ich mir seit zwei Wochen vor, meinen Kühlschrank endlich abzutauen, nachdem ich festgestellt hatte, dass ein Marmeladenglas vom ewigen Eis der Kühlschrankrückwand verschlungen wurde und es endlich eine plausible Begründung für das laute Brummen des Elektrogerätes gab.

Leider stellte ich bei der Durchsicht des Lagergutes fest, dass neben Himbeeren, Broccoli und jeder Menge kälteresistenter Salatkräuter auch noch eine Tüte Hühnerfrikassee im Kühlfach schlummert.

Nun denn, dachte ich, es ist Samstag und du hast Hunger! Ich mach mir heute Hühnerfrikassee zum Mittagessen! 

Wie wärmt man das Zeugs nun auf? Die Zubereitungsanleitung befiehlt: "Füllen Sie eine halbe Tasse Milch..."

Ein schneller Blick in den Kühlschrank. Keine Milch mehr da! Seltsam, wo ich doch noch gestern Abend...

Zum Glück habe ich jetzt eine neue Mikrowelle! Vielleicht kann man das Gericht darin milchfrei garen. Mal sehen, was in der Zubereitungsanleitung steht. 

"Geben Sie das Zeugs in eine feuerfeste Schale." - Passt!
"Stellen Sie es in das Gerät und programmieren Sie soundsoviele Minuten bei soundsoviel Watt." - Nichts leichter als das!
"Machen Sie eine Abdeckung drauf!" - Faszinierend, wie einfach heutzutage die Zubereitung von Hühnerfrikassee sein kann!
"Vergessen Sie nicht, zwei Esslöffel Milch..."

Ich habe mich Wochenende für Wochenende jedes Mal gefragt, wie es sein konnte, dass dieses verd.... Päckchen Hühnerfrikassee nun schon so lange den Platz beansprucht, der eigentlich dem guten alten Käpt'n Iglo zusteht. 

Jetzt wusste ich es wieder: Immer, wenn ich Bock auf Hühnerfrikassee hatte, war grad keine Milch im Haus. Und immer dann, wenn Milch im Kühlschrank war - was häufiger vorkam - hatte ich keine Lust auf Hühnerfrikassee.

Wie kommt man eigentlich dazu, Fertiggerichte anzubieten, die noch weitere Zutaten aus dem Haushalt benötigen? In dieser Formation verbindet das besprochene Tütengericht die negativen Eigenschaften zweier Welten: der leere Geschmack von Convenience-Food trifft auf den Planungsbedarf frischen Essens.

Ich habe mir jetzt sicherheitshalber zwei Pack H-Milch gekauft. Gegart bei einer Million Grad, und haltbar bis zum Jüngsten Gericht.

Vielleicht lass ich das Hühnerfrikassee auch einfach in den Weiten meines Kühlschrankes unter einer Eisscholle verschwinden. Auf mehr oder weniger Konserven kommt es dort auch nicht mehr an.

Was lernen wir daraus? - Ein Fertiggericht heißt Fertiggericht, weil es mich manchmal ganz schön fertig macht!

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