Dienstag, 21. Mai 2013

Der Bierstädtepokal

Da hat uns der Fußballgott eine fantastische Finalpaarung der diesjährigen Champions-League-Saison beschert.

Es spielen David gegen Goliath, Malocher gegen Schickeria. Die Zeiten, als dieses Match das "Bierstädte-Duell" genannt wurde, sind lange vorbei. Das war in den Siebziger Jahren, als die glorreiche Mannschaft um Franz Beckenbauer aus der bayerischen Olympiastadt einen europäischen Titel nach dem anderen holte, während die Dortmunder Bekanntschaft mit der Zweiten Bundesliga machen durften. Zeiten, in denen die Luft des Ruhrgebiets von den zahlreichen Stahlwerken und Kraftwerken verseucht war und die Schlote jedes Jahr zehn Meter höher gezogen wurden. Währenddessen machte sich der Reichtum am nördlichen Voralpenrand breit, BMW profitierte vom Wirtschaftswunder und der Globalisierung, während der auch betriebswirtschaftlich talentierte Mittelstürmer Uli Hoeneß nicht nur den Ball beim Elfmeterschießen, sondern auch die Finanzen des Clubs in ungekannte Höhen katapultierte. Noch heute ist das Missverhältnis der beiden Vereine enorm. Während beim FC Bayern mindestens vier DAX-Konzerne engagiert sind, ist der Hauptsponsor der Borussia ein Unternehmen, das mit Gruben groß geworden ist.

Umso erstaunlicher, was Jürgen Klopp aus dieser Mannschaft gemacht hat. Zwei Jahre lang hat die Dortmunder Borussia die Bundesliga, eigentlich das Jagdgebiet der Bayern, dominiert. Zum guten Schluss haben sie das große Vorbild aus München im DFB-Pokalfinale mit einem 5:2-Erfolg gedemütigt. Die Ironie der Geschichte ist, dass die Bayern durch das erstmalige Aufflammen echter Konkurrenz seit langer Zeit erst recht angestachelt wurden und die unglaublichste Saison gespielt haben, die es selbst bei diesem Über-Verein je gab. Die Landesmeister aus Italien und Spanien, Juventus Turin und FC Barcelona, haben sie jeweils zweimal teilweise hoch geschlagen, in der Bundesliga feierten sie Punkte- und Torerekord, mit einem 6:1 gegen Wolfsburg drangen sie ins Pokalfinale vor. Dafür gelang es dem BVB, neben der vorjährigen Bundesligadominanz gegen Malaga ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Münchner zu kapern: den Bayern-Dusel, den Sieg in der letzten, wirklich allerletzten Sekunde. Mit diesen Voraussetzungen gesegnet, ist der BVB als Überraschungsmannschaft der diesjährigen Champions-League-Saison vielleicht die einzige Mannschaft, die diese Bayern noch stoppen kann.

Dass beide Mannschaften im Halbfinale die beiden erfolgreichsten Klubs der letzten zwanzig Jahre, Real Madrid und FC Barcelona, demontiert haben, markiert einen Einschnitt. Ich glaube, dass die sogenannte "Wachablösung" des führenden spanischen Fußballs durch die Bundesliga nachhaltig ist, denn es spiegelt die ökonomischen Verhältnisse wider. Die spanische Politik kann es sich angesichts der anhaltenden Proteste gegen die Merkelsche Austeritätspolitik nicht weiter leisten, die publikumsträchtigen Sportarten weiterhin so zu alimentieren wie bisher. Zudem dürften Sponsoren in Finanznot geraten. Das Bundesliga-Hoch ist hingegen weniger kreditfinanziert und dadurch voraussichtlich stabiler. Die Bierstädte sind führend, für die Wein-liebenden Länder ist es zum Weinen.

Freuen wir uns auf ein tolles Spiel in einer anerkannten Bierstadt, im Wembley-Stadion zu London.

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