Dienstag, 5. März 2013

Wenn einer keine Reise tut

Der Journalist Peter Scholl-Latour wurde einmal in einer Fernsehsendung gefragt, ob es ein Land auf der Welt gäbe, in dem er noch nicht war. Ja, antwortete er, es gebe zwei davon: Belize und Butan. Diese beiden heroischen gallischen Dörfer haben es also geschafft, einen Schutzwall gegen diesen deutschen Weltbürger zu errichten, der es nicht schafft, mal zwei Wochen lang im heimischen Garten die Pflänzchentriebe zu gießen. Respekt und Hut ab vor diesen beiden Ländern.

Ich bin in meiner Verwandtschaft ein echtes Unikat. Alle fahren, soweit es ihnen ihre Zeit erlaubt, mindestens einmal im Jahr in Urlaub, die meisten öfter. Gefühlte fünfhundert Urlaubsreisen pro Jahr hat mancher auf dem Buckel, und den festen Vorsatz, die Anzahl der Länder, die Herr Scholl-Latour geschafft hat, zu übertreffen.

Der ein oder andere mag einwenden, warum fährst du denn nie in Urlaub, wenn deine Verwandtschaft schon so viele Bonusmeilen gesammelt hat, dass es für eine Reise zum Mars reicht? Es ist nicht deshalb, weil ich zu wenig verdiene. Ich kann mir auch kein iPhone leisten, habe mir aber dennoch eines gekauft. 

Es ist auch nicht, weil man nicht vor sich selbst weglaufen kann, da man sich immer mitnimmt.

So 'n Wetter ham' wir auch zuhause!

Aber warum soll ich, um ein einfaches Beispiel zu nehmen, auf Mallorca eines der Mädchen anquatschen, die mich auch zuhause in der Disko mit dem Hintern nicht anschauen? Man mag einwenden: Aber auf Mallorca - da ist sie doch in Urlaubsstimmung! Klar. Was soll ich mit einer Frau, die erst in Urlaubsstimmung kommen muss, bevor sie sich für das andere Geschlecht interessiert?

Ein schöner Rücken kann auch in Mallorca entzücken.
Quelle: Alexandra Bucurescu  / pixelio.de

Solche Gegenden wie Mallorca oder die türkische Mittelmeerregion sind ja schließlich nichts anderes als Niederlassungen der deutschen Provinz. Eine Art outgesourcestes bundesrepublikanisches Arbeiterghetto.

Am Teutonengrill.
Quelle: Jerzy  / pixelio.de

Liegt die Rettung also in Thailand, Südafrika oder Australien?

Wie die Karrierebibel neulich schrieb, ist die Wahrscheinlichkeit, innerhalb einer halben Stunde im Outback einen Deutschen zu treffen, äußerst hoch, sodass es sich schon bei Arbeitgebern herumgesprochen habe, dass man im Ausland kein Englisch lernen könne. Deswegen sei der Wert eines Auslandsaufenthalts für den eigenen Lebenslauf deutlich gesunken. Es waren übrigens die Arbeitgeber, die selbigen jahrelang als Pflicht vorausgesetzt haben und diese unselige Entwicklung, für die die Welt uns verflucht, damit in Gang gesetzt haben.

Australischer Regenwald.
Finde den Touri auf diesem Bild!
Quelle: Dieter Schütz  / pixelio.de

Die Welt ist also regelrecht mit Deutschen verseucht. Warum soll ich in Urlaub fahren, wenn ich dieses ganze Gespieße auch hier haben kann? Da bleibe ich doch lieber in meinem Unteren Malstatt, trinke beim Araber meinen schwarzen Tee, esse Lahmacun und schaue mir im Döner-Imbiss am Fernsehen an, wie es früher in der Türkei ausgesehen hat und welche Sprache die Menschen dort gesprochen haben.

Bevor die Deutschen kamen.

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