Dienstag, 26. März 2013

Junggesell(inn)enabschied



Der Frühling, sagt man, sei die Zeit, in der die Hormone sprießen.

Biologisch gesehen, stimmt das beim Menschen nicht. Sonst hätten alle, wie ich, im Dezember Geburtstag. Und das wäre nicht schön. Nur noch schwermütige Steinböcke, keine Glücks-Kinder mehr... ;-)

Das Paarungsverhalten der Menschen kann ganz schön stressig sein. Ich habe oft das Gefühl, in Deutschland (oder gar: im Saarland) ist es ganz besonders schwierig.


Etwa im letzten Sommer, als ich diese Szene erlebt habe:
An der Stadtbahnhaltestelle Johanneskirche in Saarbrücken, um 23 Uhr, auf dem Heimweg vom Nauwieser Fest.
Eine Gruppe verboozter (verkleideter) Frauen. Ein Mädchen setzt sich neben mich.
Ich: "Seid ihr ein Junggesellinnenabschied?"
Sie: "Ja."
Ich: "Und wer von euch ist die Braut?"
Sie: "Die da mit dem Krönchen."
Ich: "Was macht ihr denn heute Abend noch?"
Sie: Schweigt.
Ich: "Fahrt ihr jetzt nach Hause?"
Sie: "Ja."
Ich: "Dann wünsche ich euch noch viel Spaß."
Sie: "Danke."
Dann steht sie auf und geht. Die Braut ruft: "Der Zug ins Nachtwerk kommt in zwei Minuten."
Und dann wundern wir uns über eine permanent sinkende Geburtenziffer?

Der Journalist Alain-Xavier Wurst fragt sich in seinem Büchlein "Zur Sache, Chérie", was zuerst da war: Die Henne oder das Ei. Sprich: Die flirtunfähige deutsche Frau oder der flirtunfähige deutsche Mann. Fest steht, dass die Königskinder in der Regel gar nicht zusammen kommen können, da sich die meisten Männer überhaupt nicht mehr trauen, Frauen anzusprechen, weil sie gewohnt sind, derart abweisend und pampig behandelt zu werden wie im obigen Beispiel.

Ich höre schon die Frauen, die jetzt einwenden, ich müsse auch mal die Perspektive der Frauen wahrnehmen. Welche denn? Artikel 8, Absatz 7 Grundgesetz - Die deutsche Frau hat das Recht auf dauerhaftes Beleidigtsein. Es zu achten und zu schützen ist Aufgabe jeder menschlichen Gewalt? Das meint ihr wahrscheinlich nicht. Vielleicht dies: Ich als Frau werde jeden Tag hundertmal angesprochen, da kann ich doch nicht immer freundlich bleiben? 

Frage: Warum nicht? Stößt dir etwas zu, wenn du freundlich bleibst? Dann fragen sich viele Frauen, "Was will der denn von mir? Will der nur Sex?" Darauf lautet die Antwort in der Regel: Sex ja, nur nein. Der Junge wäre wahrscheinlich schon glücklich mit einem Lächeln. Bevor er erfährt, ob mehr daraus werden könnte, müsste erst einmal ein Kontakt zustande kommen. Und daran scheitert es meist schon.

Keine Ahnung, warum Frauen sich ständig von Männern belästigt fühlen, Fakt ist, diesen Eispanzer der Unfreundlichkeit durchbrechen nur die dümmsten, dreistesten, frechsten und aggressivsten Männer. Also die, über die sich die Frauen dann anschließend permanent beklagen. Demgegenüber steht eine wachsende Zahl von Männern, die noch nie mit einer Frau in einem engeren Austausch standen. Verstärkt wird dieser Trend dadurch, dass jetzt wieder geburtenschwächere Jahrgänge von Mädchen auf den Partnerschaftsmarkt kommen, die auf geburtenstärkere unversorgte Jungen treffen. 

Die sogenannte #aufschrei-Debatte hat diesem ganzen Chaos das Krönchen aufgesetzt. Da hat dieser Brüderle, der - wie alle Männer (und auch alle Frauen) - permanent seinen Marktwert zu testen bestrebt ist, ein paar ganz traditionelle Anmachsprüche aus Opas Mottenkiste hervorgeklaubt, und dann meinen die werten Damen, sich bei Twitter über jedes versehentliche Anrempeln im Supermarkt ereifern zu müssen. Das absehbare Ergebnis dieser Debatte ist, dass diejenigen, die sich bisher schon nicht getraut haben, Frauen anzusprechen (also die meisten Männer), das jetzt noch viel weniger tun werden. Und die echten Machos, die jede Frau unsittlich berühren, die nicht bei drei auf den Bäumen ist, haben von dieser Diskussion erst gar keine Notiz genommen. Die machen weiter, als wäre nichts gewesen.

Charakteristisch für diese Art von Diskussion ist mal wieder die gute alte katholische Doppelmoral. Nach außen heißt es, wir wollen den netten, freundlichen, sympathischen Kümmerer als Mann, und wenn die Fernsehkamera aus ist, geben die werten Damen zu, das sie das jetzt nicht so wortwörtlich gemeint haben. Die Schmerzensmann-Debatte in der ZEIT war ein dankenswert ehrliches Statement einer jungen Frau, wie ich es mir häufiger wünschen würde. Man will als Mann ja wissen, woran man ist. Was nützt es, der netteste Mann unter der Sonne werden zu wollen, wenn Frauen so jemanden heimlich abstoßend finden?

Ein bisschen mehr Ehrlichkeit, ein bisschen weniger politische Korrektheit - ist das möglich? Nun denn, dann kann der Frühling kommen und die Hormone sprießen.

Darf ich Ihnen meine Tanzkarte antragen?


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