Dienstag, 19. März 2013

Brauchen wir die Pendlerpauschale?

Ich mische mich nicht gerne in politische Diskussionen zum Einkommenssteuerrecht ein, da dieses ein ewiges Hin- und Her-Umverteilen innerhalb der Mittelschicht darstellt und im Allgemeinen mehr kleine Eitelkeiten bedient als große politische Entwürfe. Trotzdem besteht in Wahlkämpfen der größte Anteil am Diskussionsstoff konservativer Parteien aus genau diesem einen Thema.


Für mich besteht der größte Effekt des Einkommenssteuerrechtes in seiner symbolischen Wirkung. Als Beispiel seien Kinderfreibeträge genannt, bei denen man sich fragt: Sind dem Staat alle Kinder gleich viel wert, oder sind die Kinder der Reichen dem Staat mehr wert?

Den Punkt, den ich heute herausgreifen möchte, ist die Pendlerpauschale. Es leuchtet mir nicht ein, warum ein Pendler, der in Bad Homburg ein kleines Schloss geerbt hat und der mit seinem Geländewagen auf dem Weg zur Arbeit an der Wohnung seines Kollegen in Frankfurt am Main vorbeifährt und diesen mit dem Lärm des Autos zumüllt, für seinen Anfahrtsweg zur Arbeit entschädigt wird, der Kollege jedoch nicht belohnt wird dafür, dass er unsere Umwelt schont und in der Stadt wohnt.

Dank der Grünen bekommt der Kollege wenigstens seine Monatsfahrkarte für den Bus erstattet. Das ist jedoch nur Brosamen im Vergleich zu dem Baguette, das durch die Pendlerpauschale von 30 Cent pro Kilometer zusammenkommt. Der Geländewagen scheint dem Staat an dieser Stelle mehr wert zu sein, man spürt hier die typisch deutsche Tendenz, dass die Automobilindustrie an diesem Gesetz mitgeschrieben haben könnte.

Natürlich ist mir klar, dass man es nicht durchsetzen kann, die Pendlerpauschale abzuschaffen. Als Kompensation müsste man womöglich noch mehr Umzüge, die den Arbeitsweg verkürzen, finanziell fördern. Das würde die Mieten in den Städten noch weiter steigen lassen.

Dennoch stelle ich an dieser Stelle die Frage: Ist nicht auch die Pendlerpauschale ein Luxus, den wir uns in Zukunft sparen können?

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An dieser Stelle endet die 6-teilige Fastenzeit-Serie Luxus, den wir uns in Zukunft sparen können. Ich bedanke mich ganz ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, die ihr diesem so asketischen Thema geschenkt habt. Unter diesem Link können alle Beiträge nochmals eingesehen werden.

Fleisch (12.02.), Smartphones (19.02.) und Fernreisen (05.03.) habe ich auf ihre Notwendigkeit hin untersucht. Besonderen Spaß hat mir mein leidenschaftliches Plädoyer gegen das Fernsehen (12.03.) gemacht. Gastblogger DeJo berichtete über seine Erfahrungen mit einem Leben ohne Alkohol (26.02.).

Gerne würde ich von euch Feedback hören, nutzt unten die Kommentarfunktion oder Facebook. Wir sehen uns am nächsten Dienstag wieder!

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