Dienstag, 29. Januar 2013

Finger weg vom braunen Sumpf

Hast du das schon einmal erlebt?

Du flirtest gerade mit einer jungen Dame, die du dir als Begleiterin zu weiteren Tanzabenden vorstellen kannst, hast eruiert, wie sie heißt und welche Getränke sie mag.

Und dann kommt das Gespräch auf Musik. Und sie sagt: "Die Ärzte mag ich gar nicht, ich stehe auf …“ Sie nennt mir die Namen einschlägig bekannter Gruppen aus dem rechtsradikalen Milieu.


Jetzt musst du, wenn du noch ein einziges Mal unfallfrei in den Spiegel gucken willst, diesen bislang harmonischen Flirt absichtlich zu einem unangenehmen Ende bringen.

Keine schöne Aufgabe. Aber machbar. Ich deute eine Kotzbewegung an, als sie mir ihre „musikalischen“ Favoriten nennt. Ich vermeide es, persönlich zu werden, versuche es zumindest.

Sie kann ja nix für. Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit werden mir jeden Tag Hauptschulzeugnisse vorgelegt, ich verfolge, was in diesen Schulen passiert. Ich darf ihr nicht böse sein, unsere Hauptschulen, die im Saargebiet jetzt Gemeinschaftsschulen heißen, können manchmal nichts ausrichten gegen das Schicksal der Dummheit. Manchmal schaffen es selbst Unis nicht. Wenn man nichts kann und nichts weiß, braucht man leicht verdauliche Ideologie. Jene Menschen sind nichts Wert, die werden umgebracht, ihr seid viel Wert, ihr dürft am Leben bleiben.

Es sind unsere Einwohner, die so denken, es sind unsere Lehrer, die das zulassen. Es sind unsere neoliberalen Wirtschaftsbosse und Politiker, die künstliche Armut und Verelendung produziert haben und unseren Jugendlichen vermitteln, dass die Welt bloß ein Kampf aller gegen alle sei. Die betreffende Person kriegt von mir wie alle Menschen ne Runde Verständnis, während ich auf Schrei nach Liebe abtanze.

Ach was, natürlich kann sie etwas dafür! Wer anderen Menschen das Recht auf Leben abspricht, der vertritt meiner Meinung nach keine Ideologie, sondern der ist kriminell. Punkt. Aus. Keine Entschuldigung! Ich bin mir zu schade, in diesem braunen Sumpf herumzurühren. Nicht einen Finger möchte ich mir daran schmutzig machen.

Was schreien rechtsradikale Frauen eigentlich beim Orgasmus? Und heben Sie dabei den Arm?

Am 27. Januar war Auschwitz-Gedenktag. Niemals dürfen wir die Gräuel vergessen, die Menschen anderen Menschen angetan haben und die manche heute noch verherrlichen.

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