Dienstag, 11. Dezember 2012

Top Ten

Das Ende des Jahres naht. Die Showmaster im Fernsehen üben sich darin, wer von ihnen am langweiligsten ins abgelaufene Jahr zurückblicken kann. Üblich ist es, eine Top-10 der beliebtesten Songs des ablaufenden Jahres zu veröffentlichen. Wäre es nicht langweilig, wenn van der Kreet das auch machen würde?

Ich finde es spannender, euch zu zeigen, welche Lieder seit der ersten Installation von iTunes auf meinen Musikabspielgeräten diejenigen sind, die ich mir am häufigsten angehört habe. Um die Abmahnanwälte der Verwertungsfirmen zu ärgern, gibt's keine Fotos, Videos, Hörproben oder Links - ich denke, diese Infos im Netz zu finden, dürfte kein Problem darstellen. Lasst uns beginnen!



1. Mr. Tambourine Man – The Byrds

Seit sechzig Jahren ist er mit seiner Mundharmonika auf Tour, hat Geschichte geschrieben, den zeitgenössischen Gesang bis hin zur Kirchenmusik bereichert, und nun wird er regelmäßig für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen – Bob Dylan. Neben seinen eigenen Werken hat er jede Menge Songs für junge, aufstrebende zeitgenössische Pop-Bands (so wie hier 1965 für die Byrds) geschrieben, die heute natürlich keiner mehr kennt. Doch Bob Dylan selbst ist unverwüstlich. Er gehört zu den Künstlern, die man in Erinnerung behalten wird.


2. Et s'il fallait le faire - Patricia Kaas

Mit diesem Titel ist die gute Patricia, die im Übrigen einer der wenigen Weltstars ist, die aus dem Raum Saarbrücken kommen, ein großes Risiko eingegangen. Sie repräsentierte Frankreich mit dem Lied 2009 beim Eurovision Song Contest, diesem Wettbewerb, bei dem die Performance und die Show im Vordergrund steht. Es hatte wohl Marketing-Gründe. Zum Glück ist ihr Engagement glimpflich verlaufen, und sie erreichte einen Platz unter den ersten Zehn. Der Titel stammt vom Album "Kabaret", das in Deutschland auch mit deutsch gesungenen Chansons erschien und eine Perle für all diejenigen ist, die es nostalgisch - etwa im Stil der Zwanziger Jahre - mögen.


3. Delivery - Babyshambles

Wie heißt noch dieser ungezogene Bengel aus London, der ständig vollgedröhnt auf irgendwelchen Partys festgenommen wird und mit Amy Winehouse um die Clubs gezogen ist? Na, ihr wisst schon: Dieser Chaot mit dem Pete-Doherty-Hut? Ah, jetzt fällt es mir wieder ein: Pete Doherty. Dass er außer Skandalen auch noch verdammt gute Musik machen kann, beweist er kongenial mit seiner Band auf dem Album "Shotter's Nation".


4. Irgendwo in Berlin - Rosenstolz

Es gab eine Zeit, in der habe ich mich so gefühlt (in Bezug auf das Saarland), wie es in diesem Lied beschrieben wird: "Irgendwo in Berlin gehör' ich hin, doch damit ich sicher bin, muss ich immer wieder flieh'n." Doch heute ist dieses Gefühl nicht mehr so stark. Auf einer meiner letzten Stationen auf der Flucht habe ich ein neues Gefühl von Heimat entwickelt. Wo das war? Irgendwo in ... Berlin.


5. Island in the Sun - Weezer

Als die ersten Bands begannen, Punk zu machen, war das wie der Einstieg der Piratenpartei in den deutschen Politikbetrieb: Professionalisierung wird aus Prinzip abgelehnt. Wir können nur drei Akkorde, mehr brauchen wir nicht! Es ist interessant, wohin sich die Punkmusik weiterentwickelt hat und welche Variabilität ihrer Melodien sie bietet. Nicht um sonst ist Weezer in US-amerikanischen Musikmagazinen wie dem Rolling Stone ein regelmäßiger Protagonist in der Abteilung "Beste Songs aller Zeiten".


6. Peace - Depeche Mode

Depeche Mode halten sich seit inzwischen 30 Jahren im Pop-Business, inzwischen gelten sie als altmodisch. Dass sie es immer noch können, bewiesen sie auf dem Album "Sounds of the Universe" von 2009. Ich selbst habe Depeche Mode 2002 live erlebt.


7. I'm not in Love - 10 cc

Als dieses Lied in den Plattengeschäften angeboten wurde, war es üblich, dass die jungen Menschen eng an eng getanzt haben, was man dem Song anhört. Pink Floyd's "Shine on you Crazy Diamonds" stammt aus dem gleichen Jahr, 1975. Vielleicht haben die Menschen nach all den Demonstrationen, der sexuellen Revolution und den Ölkrisen mal ein wenig Ruhe gebraucht. Ich bin übrigens in diesem Jahr geboren. Das kann Zufall sein.


8. Mando Diao - Go Out Tonight

Mando Diao hat in den vergangenen 10 Jahren geschätzte sechs Studioalben auf den Markt gebracht, von denen eines furioser gezündet hat als das andere. Die Gruppe gehört wie auch Peter, Björn und John ("Young Folks", der Pfiff zur Fußball-WM 2006, der nie im Radio gespielt wurde, aber den ganz Berlin auf den Lippen hatte) zur schwedischen Invasion, die die Popwelt seit ABBA revolutioniert hat. Beim letzten Eurovision Song Contest stammten 80% aller Titel aus schwedischer Feder. Welch Wunder, dass der nächste "Grand Prix" 2013 in Malmö stattfindet.


9. Schwarz zu Blau - Peter Fox

Auch hier kommt der Ex-Berliner in mir durch. Das eiskalte Berlin im Winter, der viel zu viele Alkohol, das niemals schlafende Kreuzberg, die vielen Köter - diese ganze Atmosphäre bringt dieses Lied authentisch und echt rüber und spült Erinnerungen hoch.


10. Finden Sie Mabel - Heinz Rudolf Kunze

Ich habe eine zwiespältige Meinung zu H.R.K.: Einerseits ist er CDU-Wahlkämpfer, hält sich Kampfhunde, die Kinder totbeißen und geht bei Altbundespräsident Wulff ein und aus. Privat keiner, mit dem ich ein Bier trinken möchte. Andererseits ist er ein toller Künstler. Nachdenkliche, leicht abgehobene Poesie auf guter Rockmusik. Am ehrlichsten ist sicherlich sein autobiografisch geprägtes Album Brille. Dieses Stück hier kommt aus einer früheren, verspielteren Schaffensphase.


Welche Songs haben euch in eurem Leben oder in den letzten Jahren am meisten beeindruckt? Welche Geschichten erzählen sie? Über interessante Kommentare würde ich mich freuen.

Kommentare:

  1. "...im Übrigen der einzige Weltstar ist, der aus dem Raum Saarbrücken kommt..." Und was ist mit Herman Rarebell, dem ehemaligen Drummer der Scorpions? Der kommt aus Hüttersdorf.

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  2. Den hatte ich nicht auf der Rechnung! Ich wusste nicht oder habe verdrängt, dass er hierher kommt! Ich danke dem Leser, der dies gewusst hat, für die Info!

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