Montag, 24. September 2012

Gärten der Welt

Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig die Westdeutschen über Berlin wissen. Oder, anders formuliert, wie eingefahren und klischeebeladen ihre Urteile über die Bundeshauptstadt sind. Von Berlin hört man in Westdeutschland immer nur Negatives.

Es scheint, als ob das Bild der Stadt ausschließlich von verbitterten westdeutschen Ideologen der Marke Siggelkow, Buschkowsky, Sarrazin oder Hubertus Knabe transportiert wird. Für diese Herren ist Berlin ein Moloch aus Arbeitsverweigerern, faulen Ausländern und Stasi-Offizieren. Ich sehe es als eine der Aufgaben von Van der Kreet an, diese Zerrbilder zu dekonstruieren.

Fangen wir mal damit an!


Betrachte dieses Bild.


Jetzt die Frage: Wo wurde es aufgenommen?

A) Im brasilianischen Regenwald. (zu erkennen an den leichten Klamotten der Person im Zentrum des Bildes).
B) An den Niagarafällen an der Grenze zwischen USA und Kanada.
C) Vor dem Steinbruch zwischen Deeschdasch und Schattertriesch.
D) In Berlin-Marzahn.

Na?

Menschen, die mich kennen, wissen, dass A und B nicht infrage kommen aufgrund meines Geldbeutels. Tatsächlich ist Punkt D richtig. Das vorliegende Bild wurde im Chinesischen Garten in Berlin-Marzahn aufgenommen.

Die Gärten der Welt im Erholungspark Marzahn bestehen aus mehreren Gärten, die einem realen Vorbild nachempfunden sind und originalgetreu von kundigen Landschaftsarchitekten hier angelegt wurden. Jeder dieser Gärten atmet die Philosophie seines Herkunftslandes, die uns ein kundiger Gartenführer nahebrachte.

So wird beispielsweise der Orientalische Garten von Mauern eingefriedet, weil das Beet in der Wüste sonst nicht lange bestehen würde. Ein kleiner Palast mit Zedernholzinnenbekleidung dient als Eingang. In den Beeten werden Nutz- und Zierpflanzen gemeinsam angebaut. Es fehlt schließlich an Platz und Muttererde. Springbrunnen ergänzen das Ambiente. Sie sollten eine Geräuschkulisse schaffen, damit die Männer in Ruhe verhandeln konnten, während ihre Frauen gegenüber dem Brunnen saßen.

Man kommt nun am Brunnengarten und am Irrgarten sowie dem Labyrinth vorbei (letzteres hat einen Ausgang), für den Renaissance-Garten fehlte uns die Zeit. Im Chinesischen Garten, wo das Foto gemacht wurde, gibt es wie im Mannheimer Luisenpark See und Teehaus, doch ist hier alles größer, es wirkt auch authentischer. Die Steine auf dem Foto oben sind Kostbarkeiten, diese Felsen wurden in China speziell ausgesucht und hierher gebracht.

Im japanischen Garten gibt es zwei Wasserläufe. Einen mit und einen ohne Wasser. Mit guter Phantasie macht es keinen Unterschied.

Weniger gelungen ist der Christliche Garten. Er ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Ein originalgetreuer Klostergarten mit Kreuzgang wäre authentischer gewesen.

Orchideenblüte im Balinesischen Garten. Dort ist es heiß, Dschungeltemperatur.

Man darf gespannt sein, was sich die Macher bis zur Internationalen Gartenschau 2017 noch so alles einfallen lassen. Zurzeit wird der Englische Garten gebaut.

So, lieber Westdeutscher. Was fällt dir nun beim Stichwort Berlin-Marzahn ein?

Na also. Geht doch.

Kommentare:

  1. Die Gärten der Welt sind wunderbar und wundersam zugleich!

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  2. Geile Sache! Habe auch einen Garten. Dort wo die greyslichen Gulpen endloch nurren.

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  3. Herr Hüpchen, haben Sie etwas getrunken?

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