Mittwoch, 4. Juli 2012

Work-Life-Balance

Heute kommt eine Kollegin zu mir und sagt, du, der Chef hat uns wieder dies und das aufgedrückt. Wann sollen wir das denn auch noch schaffen?

Ich sage: Entweder wir schaffen das heute oder wir schaffen das morgen. Ich bin nicht dazu eingestellt worden, mich totzuarbeiten, denn davon hat niemand was. Der Arbeitgeber nicht, weil ein Mitarbeiter von der Psychiatrie aus seine Aufgaben nicht bearbeiten kann, und ich selber schon gar nicht.

Heute erschienen drei interessante Artikel in der Tagespresse. Der erste beschäftigt sich allgemein mit Work-Life-Balance. Für Nicht-Englisch-Sprecher: Balance aus Arbeit und Leben.

Der zweite mit Berufspendlern. Ein Problem, auf das ich schon hingewiesen habe. Es häuft sich laut diesem SPIEGEL-Artikel die Anzahl der Menschen, die mehr als fünfzig Kilometer pendeln (etwa von Saarbrücken nach Kaiserslautern oder Trier). Im Saargebiet reichen schon zwanzig Kilometer, um in Rage zu geraten (Staus, Probleme mit Umsteigen, seltene Zugverbindungen). Jeden Tag deines Lebens bist du eine Dreiviertelstunde oder Stunde oder noch länger damit beschäftigt, zur Arbeit zu kommen oder nach Hause zu fahren und dich darüber aufzuregen. Das kostet eine Menge Lebenskraft. Ich kenne den Vergleich: Bis März täglich fünfzig Minuten hin, fünfzig Minuten zurück. Am Rest des Tages müde. Seit Mai kann ich zu Fuß zur Arbeit gehen. Und was passiert um 17.30 Uhr? Langeweile. Das erste Mal seit sehr langer Zeit. Ich kannte das Gefühl schon gar nicht mehr.

Das dritte ist ein ganz trauriges Thema: Die Geburtenrate in diesem unserem Lande sinkt. Jede Frau im gebärfähigen Alter kennt das: Sie einstellen? Nie im Leben. Sie könnten ja Leben produzieren! Und dann? Sind Sie weg! Für die moderne Frau von heute, mühsam auf der Uni hochqualifiziert, ist ein Kind das endgültige Karriereende. Wenn's schlimm kommt, liegt nach dem ersten "KK" (Kind krank) in der Personalakte die Kündigung am nächsten Morgen im Briefkasten. Wenn's gut läuft, darf man sich mit Sachbearbeiterin auf Lebenszeit zufrieden geben. Bis das Kind aus dem Haus ist, ist man zu alt, um in den männlichkeitsdominierten Vorstandsetagen noch mit jugendlicher Schönheit punkten zu können. Über die viel diskutierte "Herdprämie" unserer Kanzlerin will ich gar nicht reden, jeder weiß, dass diese sinnlose Sozialleistung, wie auch das Ehegattensplitting, nicht in unsere Zeit passt. Die CSU kämpft an dieser Stelle um Stimmen aus dem Vatikan und dem Caritas-Altenheim Unsere Liebe Frau.

Was ist unsere Antwort auf all die Anforderungen am Arbeitsplatz, die wir nicht erfüllen können oder wollen oder die in totalem Kontrast stehen zu dem, was wir privat anstreben?

Ich kann euch nur ermutigen, den Weg zu gehen, der in unserer arbeitssüchtigen deutschen Gesellschaft auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte. Ich verrate euch ein Geheimnis: Arbeit ist nur Mittel zum Zweck. Letztlich sind wir im Arbeitsleben alle austauschbar. Es gibt nur einen Weg, auf diesem Planeten unersetzlich zu werden: Kinder kriegen bzw. machen. Natürlich erst dann, wenn man selber reif dazu ist. Manche fühlen sich nie reif genug dazu, dann ist das eben so und dann hat man einen anderen Sinn im Leben. Das kann auch die Arbeit sein, warum nicht?

Machen wir es doch umgekehrt wie in der Politik. Nehmen wir uns ein Beispiel an den "faulen" Griechen und anderen Südeuropäern. Die arbeiten (dem Klischee nach), um zu leben. Wir leben, um zu arbeiten und unseren "Herren" zu gefallen. Und wundern uns, wenn wir die Gewinne davon zuerst an unseren Arbeitgeber und dann an die Südeuropäer (in Wirklichkeit kassieren die deutschen Banken das ab, aber das ist eine andere Geschichte) weitergeben müssen, um die Währung zu retten.

Sind die Griechen zu faul oder sind wir Deutschen zu arbeitssüchtig? Denken wir da mal drüber nach!

Lassen wir uns nicht alles gefallen! Wir haben nur ein Leben.

Aus aktuellem Anlasse sei darauf hingewiesen, dass dieser Artikel die persönliche Meinung des Autors spiegelt und nicht die seines Arbeitgebers ist.

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