Mittwoch, 25. Juli 2012

London

Am 27. Juli beginnen die Olympischen Spiele in London. Die Zeitungen sind momentan voller Reiseberichte, warum sollte Van der Kreets Tagebuch da eine Ausnahme machen?

Obwohl nahe Verwandtschaft von mir in London wohnt, war ich erst einmal dort. Ich bin 2007 an einem Wochenende von meinem damaligen Wohnort Berlin nach Stansted geflogen. Die einstündige Flugreise zog sich wegen Passkontrollen, Boarding und Bustransfers so in die Länge, dass die Anreise insgesamt acht Stunden pro Weg gedauert hat.

Es war ein heißer Tag im August. Am Abend, nachdem mich der Bus am Bahnhof Liverpool Street abgesetzt hatte, ließen wir uns ein gutes gekühltes Bier schmecken. Englisches Bier perlt schön und läuft gut. Wir unterhielten uns eine Weile in der Wohnung des Gastgebers, da merkten wir plötzlich, dass das Bier alle war.

Die Kneipen waren leider alle schon geschlossen, als einziges Geschäft hatte die Tankstelle geöffnet. Meinem saarländischen Reflex folgend, ging ich dorthin, um Bier zu kaufen. In Deutschland ist schließlich die Alkoholauswahl an Tankstellen nicht zu verachten. Der Tankstellenverkäufer lachte mich aus, als ich von meinem Begehr erzählte. "Bier? An der Tankstelle? Wo denken Sie hin, Gentleman? Wir sind doch keine Kneipe." Nun ja, andere Länder, andere Sitten. Ein Zigarettenpäckchen (das es nur im Touristenladen gab) kostete übrigens umgerechnet acht Euro. Ich hätte natürlich auch einen Corner Shop aufsuchen können, aber finde dich als Touri betrunken um 3.30 Uhr mal in einer fremden 10-Millionen-Stadt zurecht!

Mein Bruder schaffte es am nächsten Tag, mir innerhalb kürzester Zeit sämtliche Sehenswürdigkeiten der Stadt zu zeigen, auf die es ankommt. Damals schossen die Starbucks-Läden in London wie Pilze aus dem Boden. Es gab mehr von diesen Dingern als Tesco-Express-Lebensmittelläden. Das kommt daher, dass die Engländer keine gewachsene Kaffeekultur haben. Die merken gar nicht, dass diese Kette nur Kaffee verkauft, der entweder überteuert ist oder eine schlechte Qualität hat.

Am Besten war natürlich die Gegend, in der mein Gastgeber damals wohnte: Das East End. Rund um die Brick Lane in Shoreditch und Whitechapel gibt's Flohmärkte, einen 300 Jahre alten Bagel-Laden und eine alte Brauerei, die zum Kulturtempel umgebaut wurde. Und viele Restaurants und außergewöhnliche Geschäfte. Wir bekamen in einer Fußball-Kneipe ein hervorragendes echt englisches Mittagessen, das anders, als das Klischee es behauptet, wunderbar schmeckt. Überhaupt Fußball! Läuft ständig das ganze Wochenende in allen Pubs rauf und runter.

In einem alternativen Trendlokal nahmen wir schließlich Platz und ich bestellte das x-te Bier. Wie gewohnt, schlage ich, wenn ich in der Kneipe bin, sofort die Zeitung auf. Das erste, was mir im Sunday Guardian entgegenschlägt, ist ein Kommentar des Europaparlaments-Abgeordneten Jo Leinen, an dessen Feier zu seinem fünfzigsten Geburtstag ich teilgenommen hatte.

"Schau dir das an", sage ich zu meinem Bruder, "da fliegt man durch die Weltgeschichte und trifft überall Saarländer."

Ich fuhr ungern nach Hause, auch wenn ich damals in Berlin zu Hause war. Ich könnte mir vorstellen, in dieser Stadt zu leben, wenn bloß die Miet- oder Immobilienpreise nicht wären. Man kann in London viel Geld verdienen, aber man muss viel Geld besitzen, um hier anständig wohnen zu können. Das ist ein Dilemma.

London ist eine sehr charmante Stadt, manche sagen, es wäre eine tolle Stadt, wenn bloß die Engländer nicht wären. Ich finde das zu hart. London ist jederzeit eine Reise Wert. Fahrt hin, schaut es euch an.

Typisches Londoner Touristen-Bild mit Touristen.
Im Hintergrund das Parlamentsgebäude mit Glockenturm ("Big Ben")

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