Donnerstag, 7. Juni 2012

Vergessene Welt: Der Deutsch-Französische Garten

Der Ball rast über die Betonpiste. Die vier Dreiecke am Rand des Spielfelds können meinen Meisterzug nicht aufhalten. Der Ball schlägt am hinteren Ende der Bahn auf und bleibt kurz vor dem Loch liegen. Ich nehme meinen Schläger und gehe zum Loch. Dies sieht nach einem klaren Sieg aus, meine Gegner, der Junge und die Dame, müssen sich warm anziehen.


Eine Exkursion durch den Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken hat etwas Nostalgisches. Achtzig Jahre, nachdem an diesem Orte die berühmte Schlacht auf den Spicherer Höhen stattfand, eine der wichtigsten Kämpfe im Deutsch-Französischen Krieg, der die deutschen Länder auf die Idee gebracht hat, einen gemeinsamen Staat zu gründen, und zehn Jahre, nachdem das letzte und grausamste Trauma in der Geschichte beider Völker, der Zweite Weltkrieg, beendet war, beschlossen die Regierungen beider Länder, im Saarland, welches sich für die Wiedereingliederung ins Bundesgebiet entschieden hatte, eine gemeinsame Gartenschau durchzuführen.

Das Einlochen war komplizierter als gedacht. Vier Versuche hat es gebraucht, meine Gegner haben es schneller hinbekommen. Na wartet, den Vorsprung gönne ich euch, spätestens wenn der Ball über die Rutsche muss, habt ihr keine Chance gegen mich.

Die Zeitreise beginnt schon am Eingang. Die Kleinbahn, mit der wir durch den Garten fahren, ist ein originalgetreues Modell des Trans-Europa-Express, der in den Fünfziger Jahren der Inbegriff der modernen Mobilität über Grenzen war. Wir passieren den großen Weiher und die Fontäne. Wir fahren an der Konzertmuschel vorbei, die wie ein Atomreaktor aussieht, auch dies eine industrielle Zukunftsutopie der Fünfziger, die uns heute Angst macht, was uns auf unserer Tour ein wenig Gänsehaut verursacht. Der Deutsch-Französische Garten ist Geschichte zum Atmen, in jeder Hinsicht.

Die dritte Bahn ist nach hinten abgeschrägt, das heißt, der Ball muss nach oben, und wegen der Schwerkraft muss er das Loch mit dem ersten Schlag treffen. Sowas können nur Profis. Also ich.

Die Kleinbahn passiert das Ehrenmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges und fährt an Tulpenbeeten, künstlichen Bächen und erneut am großen Weiher mit der Fontäne vorbei. Ich bin erstaunt, wie gut es gelungen ist, den Deutsch-Französischen Garten zu erhalten. Selbst die Seilbahn gibt es noch! Auch wenn er den Charme des Gestern ausstrahlt, so ist er heute noch lebendig.

Ich muss heute einen schlechten Tag haben. Nach sechs Versuchen immer noch nicht getroffen. Der Junge führt inzwischen mit Abstand. Anfängerglück!

Wir steigen auf Höhe der Spielbank aus, direkt neben dieser liegt das Victors-Hotel und wieder frage ich mich, ob es Zufall ist, dass die Hotels eines FDP-Unternehmers, der auch CDU-, Grüne- und SPD-Politiker zu seinen Freunden zählt (einige davon stehen auf seiner Gehaltsliste), stets in unmittelbarer Nachbarschaft zu staatlichen Spielcasinos stehen. Auf zum Minigolf!

Nach achtzehn Bahnen fasse ich endlich Tritt. Doch der Vorsprung des jüngsten Teilnehmers ist zu groß geworden, und der Junge leistet sich einfach zu wenig Fehler.

Nachdem sie und ich die Partie ganz gegen meine Vorhersehung gegen mein Patenkind verloren haben, gehen wir zum Ausgang. Da unten, sage ich, seht ihr das? Das ist der späte Sieg der Franzosen. Dieses Schwimmbad haben sie für sich erobert. Es sei ihnen gegönnt, es ist ein komfortables und schönes Bad, doch leider überteuert.

Was man vom Deutsch-Französischen Garten nicht sagen kann: Der Eintritt ist gratis, und der DFG immer mal wieder einen Ausflug Wert.

Im DFG an einem sonnigen Tag. Im Hintergrund die Wasserfontäne.

1 Kommentar:

  1. Endlich jemand der den DFG auch schön findet!
    Es sei auf die zahlreichen Veranstaltungen hingewiesen, wie Mittelalterfeste, Konzerte, Festivals u.s.w..
    Also, auf gets in den DFG ................

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