Montag, 5. Dezember 2011

Warum Gottschalk geht

Am vergangenen Samstag erlebten wir einen der erhebenden Fernsehmomente: TV-Urgestein Thomas Gottschalk verabschiedete sich von seinem Publikum nach insgesamt 24 Jahren "Wetten, dass...?".


Als ich das Abstimmungsergebnis des TED über die beliebtesten Wetten sah, wurde mir klar, warum dem Starmoderator scheinbar plötzlich die Lust auf das Format abhanden gekommen war. Gottschalk begründete seinen Schritt zum einen mit dem Unfall des Kandidaten Samuel Koch, zum anderen in der Sendung mit Günther Jauch am Folgetag mit der verschärften Konkurrenzsituation und der absehbaren Entwicklung der Sendung.

Am Samstag wurden dem Publikum fünf Wetten zur Abstimmung gestellt. Die beiden Wetten, die die ersten Plätze belegt hatten, waren sportliche Kunststücke, während die lustige, aber eher bedächtige Denksportwette "Klospülungen am Klang erkennen" total abschmierte. Ich kann mir gut vorstellen, wie Thomas Gottschalk während der Mountain-Bike-Wette (ein Biker jagt schneller als ein Snowboard über eine vereiste Skipiste) auf dem Sofa sitzt, sich nicht richtig auf von das ihm zu berührende Knie von Jessica Biel konzentrieren kann und denkt: "Hoffentlich verletzt der sich nicht schwer in meiner letzten Sendung."

So muss es die ganzen letzten Jahre zugegangen sein (ich hab's nicht verfolgt). Die Konkurrenz vom Schlage eines Stefan Raab hat die Maßstäbe am Samstag Abend gewaltig verschoben - die Parole lautet: Höher! Schneller! Weiter! Je halsbrecherischer der Stunt, desto fetter die Quote.

Die alte trutschige Familienunterhaltung ist tot, es lebe die Action. Die traditionellen ZDF-Zuschauer gehen in Rente, es wächst eine Generation nach, von der nur noch wenige fernsehaffin sind. Und zwar meist diejenigen, die auch gerne mal im tiefergelegten Golf in die Eisen treten.

"Wetten, dass...?" hat einen Weg vor sich. Und zwar keinen guten. Dieser Weg führt in die Abgründe des Unterschichtenfernsehens. Entweder das oder der komplette Bedeutungsverlust. Logisch, dass Thomas Gottschalk das nicht vor sich selbst verantworten kann. Man hat schließlich einen Ruf zu verlieren.

Wer immer diese Sendung in der Zukunft moderieren wird, sollte skrupelfrei sein oder sein absehbares Scheitern rechtzeitig miteinkalkulieren.

Kein Wunder, dass die keinen finden!

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