Dienstag, 29. November 2011

Vom Ende der Unschuld

Welches Gedenken in Zusammenhang mit einem Fortpflanzungsakt findet alle Jahre wieder im Dezember statt?

Na, gewusst?

Richtig!

Am 1.Dezember ist Welt-AIDS-Tag.


Da sich in diesem November zusätzlich der Tod Freddy Mercurys zum 20. Mal jährt und die allgemeine Novemberdepression ohnehin ein Stimmungskiller ist, möchte ich ein paar Gedanken zu dieser Thematik loswerden.

AIDS ist für unsere Gesellschaft weniger als Krankheit von Bedeutung. Zwar sind in Deutschland etwa 30 Tausend Menschen infiziert, jedoch sind das weit weniger als ein Promille der Bevölkerung, und diese Zahl sinkt auch stets.

Interessanter ist die Bedeutung von AIDS als soziales Phänomen. Hatte in den Sechzigern die „sexuelle Revolution“ begonnen, die zunächst bei Studenten, Künstlern und anderen Avantgardisten, in den Siebzigern bei der Mittelschicht und in den Achtzigern mit den Swingerclubs auch in der Arbeiterschaft das Verhältnis der Menschen zum Sex auflockerte, so stoppte diese Entwicklung abrupt mit dem Auftreten von AIDS.

AIDS war dafür nicht alleine verantwortlich, der Zeitpunkt des Ausbruchs der Seuche fiel mit der Amtsübernahme Kohls zusammen, welche als endgültiger Schlusspunkt dieser Phase der Nachkriegszeit bezeichnet werden kann, in der vieles möglich schien, was vorher verboten war. In den Achtzigern kamen neue Konventionen auf. Gutes Aussehen spielte zum Beispiel eine immer wichtigere Rolle.

Umso geschockter reagierte die Welt beim Auftreten von AIDS darauf, dass ausgerechnet junge, gutaussehende, gesunde, leistungsfähige Männer in den Schwulenvierteln der großen Weltstädte starben wie die Fliegen. AIDS erschien im übertragenen Sinne wie eine Strafe Gottes / des Teufels / der Natur an den Schwulen, den Promisken, den Huren. Bis sich die Seuche auch in den Rest der Gesellschaft auszubreiten begann. Erst dann begann das Umdenken. (Hierbei ist anzumerken, dass Schwule, Prostituierte und Swinger nicht nur diejenigen waren, die als erste Kontakt zu AIDS hatten, sondern auch die ersten, die "Safer Sex" praktizierten.) Und wir in den alten Industrieländern waren damit sehr erfolgreich. Wir haben die Seuche zu einer exotischen Krankheit gemacht, die meisten von uns bleiben davon verschont.

Doch was ist der Preis? Wir haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir uns nach einem neuen Liebespartner umsehen, wir unterlassen Sex ohne Gummi, wir legen uns ärztliche Gutachten vor, bevor wir zum ersten Mal miteinander schlafen. Eheliche Treue, die wir in den Siebzigern ad acta gelegt hatten, wanderte in unseren Alltag zurück.

Ist es sinnvoll, Treue und Enthaltsamkeit von einer diffusen Angst vor einer Krankheit abhängig zu machen? Tut uns das gut? Oder sind das Verhaltensweisen, die einen eigenen Wert besitzen?

Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere von euch die Kommentarfunktion nutzen würde, um seine Meinung dazu zu schreiben.








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1 Kommentar:

  1. Wie war, wie war .........
    Sehr gut auf den Punkt gebracht der werte Herr Verfasser.

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