Dienstag, 1. November 2011

Boudin de Saison



Auf unserer Paris-Reise 2010 haben meine Begleiterin und ich uns ein ganz besonderes Fleckchen der Stadt ausgesucht: Die Rue Mouffetard im Quartier Latin, dem In-Viertel der Intellektuellen, Studenten und Künstler in der Stadt der Liebe.

Die Rue Mouffetard verfügt über eine Gastronomieszene mit internationalem Flair, die selbst für Pariser Verhältnisse was Besonderes ist. Es gibt neben einem kleinen Theater und einem Marktplatz mehrere Supermärkte, Irish Pubs, Studentenkneipen, Crèpes, Gyros, Eis und sogar eine typisch deutsche Institution, die man im Ausland nur selten findet: Einen echten Döner-Imbiss.

Das Beste an der Rue Mouffetard sind natürlich die französischen Restaurants. In einem davon haben wir Ente gegessen, es gab ein feines Drei-Gänge-Menü mit netter Bedienung. Mit Getränken waren wir am Ende bei 75€. Ein teurer Gasthausbesuch, aber sein Geld Wert.

Am nächsten Abend haben wir aus der Not heraus (alle anderen Restaurants waren voll) beschlossen, einem Restaurant mit regionaler baskischer Küche eine Chance zu geben. Als einzige Gaststätte war sie komplett leer (mir schwante Böses). 

Als die Karte kam, verstand ich wieder mal kein Wort, weil meine Französischkenntnisse total eingerostet waren: Am Vorabend hatte ich noch dem Concierge mitgeteilt, dass meine Tochter schon auf dem Zimmer war. Warum er gelacht hat, war mir zunächst gar nicht aufgegangen.

Meine Begleiterin wies mich noch darauf hin, ich solle vorsichtig sein, wenn ich nichts verstünde und lieber noch mal bei der Bedienung nachfragen. Doch ich sagte: „Ich esse sowieso alles, mit Ausnahme von gebratener Blutwurst. Was soll also schon passieren?“

Der Leser ahnt es. 

Ich habe daraus gelernt. Ich werde niemals wieder ein Gericht bestellen, in dem das Wort „boudin“ vorkommt. Ich ließ den Teller mit fettranzigen Pommes und der kaum angerührten Zwiebelblutwurst zurückgehen und zahlte meine 45 € Lehrgeld. 

Auf der Liste der peinlichsten Restaurantbesuche auf französischem Boden schoß dieser Abend auf Platz zwei. Schlimmer war‘s bloß, als ich als Teilnehmer einer großen Gesellschaft als Einziger das Dessert „Fruits de Saison“ bestellte und aus Rache einen Apfel hingestellt bekam. 

Wie gut, dass der Döner-Imbiss noch geöffnet hatte!

Kommentare:

  1. Armer Jens.. ;o)

    Ich habe da auch so eine üble Erinnerung an einen Parisbesuch. Auch ich war mit einer größeren Gruppe dort, das Essen war schon bestellt und bezahlt und was auch immer. Aber dann diese Suppe...die war so verpfeffert, dass man nicht mehr an einen Zu- oder Unglücksfall glauben mochte. Ich glaube, es lag an unserer Nationalität. Ich fühlte mich verhöhnt und ließ die Suppe kommentarlos zurückgehen. Manche können leider nicht vergessen...

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  2. Die Erfahrung zeigt, dass die Franzosen in der Regel nicht deutschfeindlich sind. Ich vermute, es liegt an der Arroganz mancher Gastronomen. Die halten sich eben für was ganz Besonderes.

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