Dienstag, 19. Juli 2011

Saarländer! Haltet an euren Tugenden fest und alles wird gut!

Empfehlungen an die Saarländer.

Hört nicht auf das, was andere sagen! Hört auf euren Instinkt, und eine neue Blüte wird über das Land kommen.

  1. Die Vorstellung, dass Regierungen vom Volk gewählt werden, ist neumodischer "Kappes". Regierungen werden gekauft. Schließlich sind gut bezahlte Jobs rar an der Saar. Um an eine Stelle als IT-Consultant mit einem Jahresgehalt von 50.000 Euro zu gelangen, muss man eben etwas tun. Es böte sich an, seine persönliche Partei für eine Koalition zur Verfügung zu stellen. Schließlich sind auch in den anderen Parteien genügend Kollegen vorhanden, die einen guten Job in der freien Wirtschaft brauchen, weil Regierungs- und Parlamentsposten doch so schlecht bezahlt sind. Mir kenne uns, mir helfe uns. So entsteht good government.
  2. Das Gerede vom Wert der Bildung ist Unsinn. Statt die jungen Leute in brotlosen Künsten auszubilden, solltet ihr auf euren Instinkt hören und die Universität des Saarlandes endgültig schließen, ihre Gebäude abreißen und auf dem frei werdenden Platz eine Kohlegrube errichten. Dort findet schließlich die Wertschöpfung statt. Nur die Kohle ist unsere Zukunft. Als einzige Studiengänge werden künftig Mechatronik, Metallverarbeitung und Bergbau an der HTW angeboten.
  3. Peter Müller hat im Wahlkampf zu Recht plakatiert "Saarland - Autoland". Diese Idee sollte künftig noch konsequenter umgesetzt werden. Reißt alle Schienen aus ihren Gleisbetten und ersetzt sie durch sechsspurige Autobahnen und Ortsumgehungsstraßen! Einwohner und Touristen werden es euch danken. Tunnels unter Innenstädten sind dabei ab sofort bereits im Vorfeld mit einzuplanen. Die Züge sind sowieso leer, was nicht daran liegt, dass sie unregelmäßig fahren und die Bahnhöfe total verdreckt sind, sondern weil sie einfach unnötig sind. Die Zukunft gehört dem Automobil.
  4. Kohlekraft ist die Energieform der Zukunft. Kein Mensch benötigt Windmühlen, die wie im Mittelalter aus Wind Strom erzeugen oder Solarkollektoren, die an die Sonnenfänger der Bürger von Schilda erinnern. Echte Energieerzeugung entsteht nur durch die Verbrennung von Kohle. Dass sich das Klima dabei aufheizt, ist unvermeidlich. Jedoch trifft der Klimakollaps in erster Linie die dritte Welt, bei uns wird es lediglich ein wenig sonniger. Man kann das Kohlendioxid auch unterirdisch lagern, wir haben schließlich genügend alte Grubenschächte im Untergrund. Dass es dabei ab und an zu Explosionen und Erdrutschen kommt, ist unvermeidlich, aber notwendig.
  5. Die Förderung des Sports hat oberste Priorität. Schließlich bewegen wir uns alle viel zu wenig. Deswegen sollte man Herrn Ostermann, der aufgrund hoher Personalkosten (siehe oben) Not leidet, dringend ein neues Stadion bauen. Das ist die wichtigste Infrastruktur-Maßnahme für die Landeshauptstadt, zumal absehbar ist, dass der FC in Kürze in der Champions League spielt und daher eine europacuptaugliche Heimstätte benötigt, in der er Real Madrid 5:0 besiegen kann. Wichtig ist dabei, dass dieses Geschenk an den heimlichen Ministerpräsidenten durch eine SPD-Oberbürgermeisterin erfolgt, damit alle in Deutschland sehen, dass wir Saarländer zusammenhalten.
  6. Die Arbeitsämter haben in den Jobcentern nichts verloren. Wozu brauchen wir eine professionnelle bundesweite Vermittlungsarbeit mit Controlling und Qualitätsmanagement, wenn wir die Arbeitslosen auch auf 1-Euro-Basis zum Schneeschippen vor dem Rathaus verwenden können? Das ist ein Beitrag zur Sanierung der öffentlichen Kassen, und wenn keine Bundesbehörden uns in den Kram pfuschen, können die Gemeinden sich um das Wohl der Arbeitslosen alleine kümmern, statt sie, wie es die Agentur tut, loswerden zu wollen.
  7. Arbeitsteilung ist eine Erfindung, die noch keinen weitergebracht hat. Es ist wichtig, sich um alles selbst zu kümmern und sich überdies in das Arbeitsgebiet seiner Kollegen und die Nachbarschaftsstreitigkeiten seiner Freunde einzumischen. Schließlich benötigen diese unsere Hilfe, und wir können zeigen, was wir draufhaben. Viele Köche verfeinern den Brei! Und wenn ich als Lehrer meinen Keller selber fliese, tue ich was für die Weiterentwicklung der Wirtschaft. Ich sorge dafür, dass brotlose Künste (Fliesenleger) endgültig aussterben. Außerdem ist ein welliger Fliesenboden schöner als ein glatter!
  8. Öffentlicher Wohnungsbau ist blanker Kommunismus! Die Freiheit des Vermieters hat unantastbar zu sein! Der saarländische Schaffer hat sich schließlich nicht umsonst ein Leben lang krumm gelegt, um sein Häuschen selbst zu bauen, sondern er soll davon auch was haben. Nichthausbesitzer sollten froh sein, dass sie überhaupt einen Vermieter finden, der gnädig genug ist, sie aufzunehmen. Die meisten Mieter sind Mietnomaden. Sie weigern sich, Klauseln zu unterschreiben, die dem Vermieter die nötige Sicherheit geben, dass ihre Mieter es jahrelang bei ihnen aushalten, sie beschweren sich, wenn man mal nach dem Rechten sieht und sie übernehmen nicht mal die Kosten für durch das Abwohnen der Vormieter entstandene Schäden wie vergilbte Tapeten und ausgeleierte Fußböden. Was für ein undankbares Pack! Man sollte das Mietrecht abschaffen.
  9. Das Sich-Weiter-Unterhalten zwischen Tür und Angel, nachdem man sich schon längst verabschiedet hat, ist eine wichtige saarländische Tugend! Es ermöglicht dem Nachbarn, auf dem Laufenden zu bleiben, sonst müsste man ja alles zweimal erzählen. Das wäre ineffektiv. Daher sollten die Saarländer an dieser Angewohnheit unbedingt festhalten! Die Nachbarschaft wird es euch danken.
  10. Frei werdende Stellen in saarländischen Unternehmen und Behörden sollten auf gar keinen Fall ausgeschrieben werden. Das könnte ja so aussehen, als ob wir eine Arbeitskräfteknappheit haben! Die haben wir natürlich nicht! Frei werdende Stellen sind ausschließlich durch Kontakte zu vergeben. Und wenn die Freunde des Unternehmensbesitzers alle versorgt sind, dann kann man immer noch die Freunde der Freunde oder im schlimmsten Falle die Freunde der Mitarbeiter nehmen. Qualifikationen sind keine zu prüfen. Die Freundschaft ist bereits die Qualifikation. Bildungsabschlüsse, insbesondere akademische, sind eh nichts Wert, da brotlose Kunst. Und Berufserfahrung kann der neue Mitarbeiter auch gleich an Ort und Stelle sammeln.

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