Freitag, 17. September 2010

Die Stadt der Dichter und Denker

Ich war vor Kurzem auf der Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung "Kleine Saarländer" des Historischen Museums Saarland am Schlossplatz. Zu sehen sind dort bis zum 17. Oktober schwarz-weiße Großdrucke saarländischer Kinderfotos aus hundert Jahren.
Aus diesem Anlass war es dem Museumsdirektor gelungen, den bekannten Schriftsteller Wilhelm Genazino nach Saarbrücken zu holen. Genazino ist der unbestrittene Meister darin, Details aus dem Alltag zu beobachten und pointiert rüber zu bringen.


In dem Essay "Der gedehnte Blick", den er passend zum Thema vorgelesen hat, beschreibt er ein Kinderfoto mitsamt seinen psychologischen und philosophischen Implikationen auf ca. 30 Seiten. Auf die Frage, warum er nicht auch noch diesen und jenen Gegenstand aufgegriffen habe, sagte er, dann hätte er noch 20 Seiten mehr schreiben müssen.

Mit einem signierten Exemplar seines aktuellen Romans "Das Glück in glücksfernen Zeiten" verließ ich schließlich die Ausstellung.

Der heutige Tag war reserviert für das Mainzer-Straßen-Fest. Das warb unter anderem mit ganz tollen Events für sich wie dem "Politikerweißwurstfrühstück mit Presse im Domizil Leidinger" oder auch "Tag der offenen Tür im Bestattungsinstitut Pietät mit Genuss an der Kaffeebar der Kaffeerösterei Pauli Michels aus Weiskirchen".

Ich wollte unbedingt dahin, denn - seien wir mal ehrlich - wer wünscht sich nicht manchmal heimlich, im Beerdigungsinstitut seines Vertrauens die Kaffeespezialiäten einzunehmen, für die es so berühmt ist?

Das Straßenfest habe ich dann schnell abgehakt. Nachdem ich an einem riesigen Plakat der Tierfreunde vorbeigekommen bin, an dem sämtliche Krankheiten, die man sich durch Fleischessen zuziehen kann, aufgelistet waren, ist mir die Lust auf den Schwenker nebenan ein wenig vergangen.

Ich habe mir dann am Sankt Johanner Markt ein Tequila-Bierchen reingezogen. Im Hintergrund berieselte mich gute Musik. Eine englischsprachige Straßenmusiker-Combo spielte ihr Repertoire, das eine ziemlich perfekte Partybeschallung abgäbe. Eine CD gibt's leider noch nicht. Ich bin guter Hoffnung und mache schonmal Werbung für diese (namenlose) Band!

Soll keiner sagen, Saarbrücken habe keine Kultur.

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