Dienstag, 8. Dezember 2009

Weihnachtsmarkt

Seit Monaten ist das Wetter um einen Monat verzögert. An Allerheiligen war goldener Oktober, am ersten Advent war's rauh und nieselig und jetzt regnet es in Strömen wie sonst Mitte November. Weihnachtsstimmung will da noch nicht aufkommen.


Umso wichtiger ist also die richtige Atmosphäre auf einem möglichst romantischen Weihnachtsmarkt. Wie zum Beispiel der am ersten Advent in Alt-Saarbrücken ums Schloss. Der ist immer wieder schön.

Petra und ich wollten zudem noch eine schöne Städtereise machen, um auch noch einen weiteren
besonders schönen Weihnachtsmarkt anzusehen. Ihre erste Idee war Berlin, wo wir in den letzten Jahren immer waren. Ich wollte mal was Neues sehen. Also haben wir uns für Straßburg entschieden. Dort ist in der ganzen Stadt Weihnachtsmarkt und von Saarbrücken fährt ein Zug
dorthin.

Der Zug braucht laut Fahrplan eineinhalb Stunden, und so lange man die Landesgrenze passiert hat, ist das alles kein Problem. Das Schwierige ist der Weg von und nach Saargemünd. Bei der Abreise standen drei Zugabteile in Saarbrücken. Leider wurde nur einer mitgenommen, und der war so brechend voll, dass in Saargemünd keiner mehr hineinpasste.

Nachdem wir eine Dreiviertelstunde in dem Viehtransportwagen ausgehalten hatten, vertrauten wir der Ansage des Schaffners, dass draußen in zehn Minuten ein Zug abfahren würde. Kaum waren wir draußen, fuhr der Zug weiter, doch der Bus ließ noch ein wenig länger auf sich warten. Immerhin brauchte er dann nur etwa anderthalb Stunden durchs Elsass und wir kamen ca. 13
Uhr am futuristischen Eingangsgebäude des Hauptbahnhofes in der Europastadt an.

Da ich noch nie in meinem Leben in Straßburg gewesen war, traf es sich gut, dass Petra einen Ständer mit Stadtplänen fand, die man mitnehmen konnte. "Capitale de Noel" (Hauptstadt von
Weihnachten) stand drauf. Bei dieser Werbung und den lächerlichen 30 Euro für die Anreise aus Saarbrücken (für max. 5 Personen hin und zurück) kein Wunder, dass der Zug so voll war. Schon auf dem Bahnhofsvorplatz bekamen wir leckeren heißen Apfelsaft mit Zimt.

Gegen den Betrieb in der teils mittelalterlichen, teils gründerzeitlichen Innenstadt war das Gedränge im Zug noch harmlos. Wir schoben uns von einem Weihnachtsmarkt zum nächsten Luxuskaufhaus (nein, wir haben keine Handtasche für 950 Euro in der Galerie Lafayette
gekauft).

Auf dem Place Kléber gibt's den größten Weihnachtsbaum Frankreichs und Austern für 1 Euro. In der Nähe vom Münster trank ich feines Bier in einer Wirtshausbrauerei. Es gibt dort auch in allen Kneipen feinen Flammkuchen zu essen.

Vor der Kathedrale wollte ganz Frankreich und halb Japan seinen "vin chaud" (Glühwein), roten
für zwei Euro, weißen für drei. Klaustrophobiker sollten diesen Platz besser meiden. Richtig übel war das Gedränge zwischen den Zuckerwattebuden auf dem Platz vor der Oper. Da blieben wir einmal stecken, nichts ging mehr. Dennoch mein Fazit: Weihnachtsmarkt in Straßburg ist toll, fahrt ruhig mal hin!

Auf der Rückfahrt blieben wir erneut stecken. Genauer gesagt der Zug. Wieder in Saargemünd. Angeblich hatte sich in Hanweiler einer vor die Saarbahn geworfen. Als wir mit dem Zugersatzverkehr über den Bliesgau tuckerten (in der Dunkelheit war mir, als wären wir
schon kurz vor Sankt Wendel), hatte sich durch Zufall das gleiche Pärchen hinter uns gesetzt wie schon im Zug aus Straßburg. Das Hasengespräch, das ich mir nun noch weiter anhören musste, trieb mich zur Verzweiflung.

Als Petra sich in Kleinblittersdorf gerade in die Saarbahn setzen wollte, sah sie, dass die beiden
gegenüber Platz genommen hatten. Sie drehte sich abrupt um und machte eine Kehrtwendung. Die beiden haben geguckt wie ein Auto. Anders als sie und die meisten anderen haben wir keine Anschlusszüge verpasst, sondern konnten sogar direkt bei uns vor dem Haus aussteigen.
Der Straßburger Zug hätte dort nicht gehalten ;-). Es muss halt auch alles sein Gutes haben.

Ich wünsche allen Lesern (und ich weiß, das sind mittlerweile schon recht viele) eine möglichst
stressfreie Adventszeit, wenn es soweit ist : schöne Festtage und einen guten Rutsch.

Und lasst mal von euch hören, wenn ihr wollt.

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