Dienstag, 17. März 2009

Patienten zweiter Klasse

Ich war heute beim Arzt.

Das heißt, eigentlich wollte ich zum Arzt, ich meldete mich an und zahlte meine Praxisgebühr. Wie gut, dass ich was zu Lesen dabei habe, dachte ich. Denn das kann schließlich dauern. Ich schielte verstohlen über die Theke und stellte fest, wie dünn die Arzthelferinnen waren. Da kriegst du jetzt wieder deine Standpauke, weil du zu dick bist, dachte ich.
Die Zeit verging, meine Literatur (Chomsky, Media Control. Wie die Medien uns manipulieren) wurde hinten immer weniger, da stellte ich bei einem Blick auf die Uhr fest, dass schon zwei Stunden vergangen waren. Währenddessen kamen und gingen die anderen Patienten.


Auf die Frage, warum das so lange dauere, erhielt ich die aufschlussreiche Antwort: "Die Reihenfolge bestimmt Frau Doktor." Ich fragte zurück, was denn die Kriterien seien.
Na, Termine gehen vor. Toll, als könne ich es mir aussuchen, wann ich krank werden würde. Wahrscheinlich liege ich richtig, wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt einen Spätherbsttag auswähle, da "Frau Doktor" dann noch Termine für Kassenpatienten frei hat.

Zwischendurch kam einer im Anzug, der sagte auf die Frage, ob er einen Termin habe: "Ich hab doch eben kurz Bescheid gesagt." Er wurde sofort vorgelassen.

Irgendwann wurde es mir zu bunt. Ich forderte mein Geld zurück (leider nur die zehn Euro für die Sitzung, nicht die Hunderter, die ich ins Gesundheitssystem gesteckt habe) und kündigte eine Beschwerde bei der Patientenbeauftragten des Bundestages an.

Dank unserer Bundesregierung zahle ich seit Beginn des Jahres etwa 100 Euro mehr im Monat für die Grundversorgung eines Kassenpatienten, oder, wie die feinen Mediziner auch gerne sagen, eines Chipsletten.

Die Mediziner leben von den 10% der Patienten, die privat versichert sind. Alles andere ist menschlicher Abschaum, der auch so behandelt wird.

Wer glaubt, dass unser Gesundheitssystem gut und gerecht ist, der glaubt auch an Wahlkampfsprüche oder an den Weihnachtsmann.

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