Samstag, 16. Mai 2009

Krisenbekämpfung in Rot und Blau-Weiß

Ursprünglich habe ich mich die ganze Woche lang auf einen Samstag gefreut, an dem ich den ganzen Tag zuhause rumliegen kann, zumal strömender Regen gemeldet war.

Dann ist mir gestern Mittag eingefallen, dass heute die große Demonstration der europäischen Gewerkschaften (Für ein soziales Europa, die Krise bekämpfen, die Verursacher müssen zahlen!) stattfindet. Und da wollte ich ja unbedingt mitgehen.


Zu meiner großen Überraschung trifft gestern Abend dann auch noch eine SMS von meinem Kumpel Jimmy ein, in der er mich fragt, ob ich eine Karte für das Heimspiel von Hertha BSC gegen Schalke 04 haben möchte. Das Spiel ist seit Wochen ausverkauft, bei einem Sieg könnte Hertha die Hand an die Meisterschale legen.

Da war ich dann aber auch in der Zwickmühle. Ich habe mich schließlich für eine Kombination von beidem entschieden. Um 12.00 Uhr traf ich am Hauptbahnhof ein, wo bereits ein rotes Fahnenmeer auf mich wartete. Es waren auch viel mehr Leute als bei der linken Demo im
März, bei der sich die Gewerkschaften verweigert haben.

Bereits am Ausgang des Hauptbahnhofes beobachte ich, dass zwei SPD-Genossinnen einen Vertreter der Linkspartei angeifern, seine Parteigenossen seien "Sozialfaschisten". Aber die SPD, dachte ich. Im Grunde wunderte ich mich, dass überhaupt Sozialdemokraten anwesend waren, hat sich diese Partei doch in den letzten zehn Jahren als zuverlässiger Diener der Interessen des Großkapitals und der Reichen einen Namen gemacht.

Der sehr heiteren, mit Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet - darunter vielen jungen Menschen - gesegneten Demo war ein wunderschönes Wetter beschienen, nachdem sich die Regenwolken gegen Mittag verzogen hatten.

Umso trauriger stimmte es mich, als ich mich gegen 14 Uhr in den U-Bahnhof Hansaplatz abseilte. Die Trauer dauerte nicht lange, da ich eines der entscheidensten Bundesliga-Spiele, dazu noch eines vor vollem Hause, zu sehen bekam. Das Drumherum machte tatsächlich Spaß.
Bedauerlicherweise spielten sich die einzigen wirklich interessanten Szenen auf der Anzeigetafel ab, wo gestandene Bundesligateams plötzlich mit erdrutschartigen Spielergebnissen die Hucke voll bekamen.

Mit dem 0:0 haben sich die Herthaner selbst aus dem Meisterrennen ausgeklinkt. Kein Wunder. Würden die einen Sportpsychologen beschäftigen, wüssten sie, dass man so kurz vor dem Saisonende keine Leistungsprämien vereinbaren darf, weil dann die (positive) intrinsische Motivation, Meister werden zu wollen, von der (negativen) extrinsischen Motivation, dem Geld,
verdrängt wird.

Dem Berliner Spieler Friedrich, der gar nicht gespielt hatte, blieb zum Schluss nur noch das Fazit, dass man nächstes Jahr die Meisterschaft endgültig an die Spree holen möchte. (Anmerkung am 04.01.10: Ha ha!)

Trotz der gefühlten Niederlage war es ein schöner Nachmittag.

Heute Abend werde ich die graue Brühe ("groh Brie") an Gesangsdarbietungen ansehen, die uns aus Moskau übergeholfen wird.

Zum Abendessen gab's heute Paprika-Käse-Wiener mit Bratkartoffeln von Lidl aus dem Kochbuch unseres Lieblingsbundesbankers.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen schönen Sonntag.

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