Donnerstag, 15. Oktober 2009

Herbst

Oktober ist die Zeit der Müdigkeit. Die bunten Blätter fallen, und morgens ist es kälter als draußen. Der Rhythmus des Körpers verändert sich, während wir immer noch nach der Sommerzeit leben.


Das ist insofern nichts Neues, kann aber zu Problemen führen, insbesondere dann, wenn man morgens verschläft.
Im schlimmsten Falle stürzt man, um seine Arbeitsstätte pünktlich zu erreichen, ungepflegt aus dem Haus, greift noch nach der Zeitung, und rennt zur Straßenbahnhaltestelle.

Weil aber die Bahnen seit der Verlängerung der Strecke durch Riegelsberg hindurch ihren Rhythmus auch noch nicht gefunden haben, hat man sich denn um 7.09 Uhr frierend auf eine Verzögerung Richtung Ostbahnhof einzustellen. Also warten. Schlauer ist Laufen.

Spätestens am Bahnsteig wird einem dann mit frierenden Beinen klar, dass es eine schlechte Idee war, den ganzen Weg zu Fuß zu laufen. Denn schließlich hat die Regionalbahn nach Homburg um 7.30 Uhr auch Verspätung und/oder man hat die Bahn um 7.22 Uhr nach St. Ingbert sowieso verpasst. Man hätte also ruhig auf die Straßenbahn warten können.

Nicht nur meine Durchblutung wird jedoch durch das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln angeregt, sondern auch mein Nikotinspiegel. Fast jeder mit dem Zug Pendelnde raucht im Saarland. Das mag daran liegen, dass die nichtrauchenden Saarländer sich alle Autos leisten können. Wie durch Zufall weht der Wind immer in eine Richtung, sodass ich bereits um acht Uhr gefühlte drei Stangen Kippen passiv inhaliert habe.

Einfacher wäre es, wenn die Saarbahn nach St. Ingbert in einem durch fahren würde. Dann würde mir endlich der versiffte Ostbahnhof erspart bleiben. Aber mit der "neuen" Regierung wird das wohl ein Traum bleiben.

Man muss sich bei soviel Ungunst die Pendelzeiten eben mit Lustigem vertreiben. Heute Nachmittag hatte ich ein solches Erlebnis. Eine Tür in der Saarbahn war kaputt, und es hingen, für jeden Halbblinden leicht erkennbar, vier schwarz-gelbe Hinweisschilder (zwei nach außen,
zwei nach innen) an der Tür, auf denen in vier Sprachen stand, dass die Tür nicht aufgeht.

Was machen die draußen wartenden Passagiere? Sie drücken auf den Öffner. Einmal. Zweimal. Innehalten. Dreimal. Junge, denkt man, der Zug fährt gleich los, wenn du nicht den anderen Eingang reingehst.

Hat der Junge es erstmal gerafft, versucht es die Oma hinter ihm nochmal. Hätte ja sein können, dass der Junge bloß zu dumm war, den Knopf zu betätigen. Am Grenzwertigsten fand ich, dass die beiden Herren neben mir, die das Schauspiel vom Hauptbahnhof an ebenfalls verfolgt haben, am Ende selbst den Knopf betätigten.

Wie doof kann man sein?

Wenn man bedenkt, dass genau diese Leute am Wahlsonntag ihr Kreuzchen gemacht haben, dann wundert mich gar nichts mehr.

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