Montag, 27. Juli 2009

The Boys Are Back In Town

Anstrengend, aber schön, so ist die Bilanz meines ersten Monates zurück im Saarland. Erste Bestandsaufnahme: Ich habs nicht bereut. Das ist schon mal gut, denn Berlin ist mit eine der geilsten Städte der Welt. Aber eine dermaßen schicke Altbauwohnung, wie ich sie jetzt habe, noch dazu, mitten in der Innenstadt, zu dem Preis - det kriegste in Berlin nich, da kiekste, wa?


Noch dazu hab ich einen schönen Arbeitsplatz erlangt, der mir viel Gestaltungsfreiheit lässt und mir die Herausforderung gibt, die ich brauche. Noch dazu im schönen St. Ingbert. Hier im ehemaligen bayrischen Teil des Saarlandes heißen die Straßen nicht Friedrich- sondern Maxstraße (wer sich mit Geschichte auskennt, ist im Vorteil und durchschaut die hoaxes in Wikipedia, ich sag nur Wilhelm von und zu Guttenberg). Und du kriegst an jeder Ecke warmen Fleischkäse. Das Beste an St. Ingbert ist jedoch die Bahn, die im Viertelstundentakt zu mir nach Hause fährt.

Was mir im Moment noch etwas Kummer macht, ist mein Jetlag. Konnte ich in der alten Abteilung in Berlin noch bis neun schlafen (natürlich nicht in der Abteilung, sondern zuhause), so muss ich jetzt um sechs raus. So viel Kaffee, um das auszugleichen, kann ich gar nicht trinken. Zu allem Übel ist unsere Kaffeemaschine dann auch noch in der ersten Woche kaputt gegangen. Teufel auch!

Aber was den Freizeitwert meines neuen Lebens betrifft, kann ich mich nicht beschweren. Freitags gibt's irgendwo ein Altstadtfest und am Wochenende kriegt man bei der Verwandtschaft fein Essen. An dieser Stelle vielen Dank für die Bewirtung, liebe Verwandten.

Am Sonntag, dem 26.07.2009 besuchte ich die Parade zum Christopher Street Day in Saarbrücken. Halb nackt und in schrägen Klamotten tanzend in der Öffentlichkeit präsentierten sich die Transen, Sadomasos oder ganz normale Schwule und Lesben.


25.000 Besucher hatten sich an der Strecke versammelt, vier der fünf wichtigsten Parteien schickten einen Wagen mit dem Zug, lediglich die CDU hat sich nicht getraut. Auch die Ford-Werke zeigten sich von ihrer modernen, offenen Seite.


Das hat mich ja total vom Sockel gehauen, von dieser weltoffenen Seite kannte ich mein Heimatland ja gar nicht! Sollte sich die gute alte Gegend hinter dem Lyoneräquator während meiner Abwesenheit weiterentwickelt haben?, fragte ich mich auf dem Heimweg von der CSD-Parade.

Und während ich noch ganz in Gedanken meinem verlorenen prolligen Heimatland von früher hinterher trauerte, nahm ich wahr, wie neben mir in sicherer Entfernung von der Festmeile ein grimmig dreinblickender Rentner mit einer Kippe im Maul und einer Thailänderin auf dem Beifahrersitz in seinem blanklackierten Oldie-Cabrio um die Ecke bog. Am Heck des Cabrios flatterte die Reichskriegsflagge an der Antenne im Rhythmus der Marschmusik aus dem Radio.

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